Das braune Franken

Das braune Franken von Glaser,  Hermann, Hambrecht,  Rainer, Kett,  Siegfried, Mück,  Wolfgang
Am 9. November 1923 scheiterte Adolf Hitler mit seinem als Volksaufstand inszenierten Marsch von München nach Berlin, mit dem er, Mussolinis Beispiel folgend („Marsch auf Rom“), die demokratische deutsche (Weimarer) Republik stürzen wollte. Schon an der Feldherrnhalle wurden die teilweise noch unter Alkoholeinfluss stehenden Marschierer – im Bürgerbräukeller hatte sie der „Führer“ am Vorabend in revolutionäre Ekstase versetzt – von der bayerischen Polizei mit Gewalt angehalten; in deren Kugelhagel starben 16 Teilnehmer. Hitler mystifizierte sie dann zu „Blutzeugen“ seiner Bewegung und stellte ihre Namen auf einem Gedenkblatt seinem Buch „Mein Kampf“ voraus, das er in der Festungshaft, zu der er als Haupträdelsführer verurteilt wurde, schrieb. Dass und wie es Hitler dann dennoch gelang, in Berlin als Reichskanzler zur Macht zu kommen, zeigt Rainer Hambrecht im ersten Beitrag dieses Buches. Auf der Basis seines bahnbrechenden Werkes über den Aufstieg der NSDAP in Mittel- und Oberfranken 1923 bis 1933 schildert er, wie die Bedrohung der Republik durch Hitler und dessen Einzug in den Regierungssitz Berlin vor allen deshalb gelingen konnte, weil er in Franken, unterstützt von Julius Streicher, für seine Ideologie eine „Brücke“ vorfand; sie beförderte seinen Weg maßgebend. Ansonsten vereint dieses Buch über das „braune“ und „völkische“ Franken verschiedene Formate. Westmittelfranken steht im Fokus der Beiträge von Wolfgang Mück und Siegfried Kett. Mück nimmt einen Zeitraum über Neustadt an der Aisch (Bilder S. 14 u. 15) zum Anlass, in dessen Spiegelung ein Sozio- und Psychogramm dieser Kleinstadt vorzulegen, das – auch stellvertretend für andere fränkische Gemeinden – Einblick gibt in die gesellschaftlichen und sozialpsychologischen Strukturen und Verhältnisse, die den Aufstieg des Nationalsozialismus gerade in Franken begünstigten. Viel Trauerarbeit wäre da angebracht; doch zeigt der Beitrag von Kett, dass diese als Erinnerungsarbeit oft „verquere“ Formen annimmt (mit Ipsheim als Beispiel). Darüber hinaus widmen sich Ketts Recherchen einem zentralen Topos fränkischer Kulturgeschichte: der Burg Hoheneck. Wie dieser Ort zu einem Zentrum völkischer Ideologie werden konnte, ist ein Beispiel für den Missbrauch historischer Denkmäler (wie er in Deutschland ubiquitär anzutreffen ist). Mainfranken bzw. Unterfranken hätte ebenfalls eine zeithistorische Analyse „verdient“. In Ermangelung eines Textes hat der Mitherausgeber der Buchreihe „Buchfranken“ (Hermann Glaser) einige wenige Impressionen aus seiner Jugendzeit zusammengestellt. Vor den Bombenangriffen aus Nürnberg evakuiert, verbrachte er die meisten Kriegsjahre in der unterfränkischen Kleinstadt Königsberg im Hassgau, der Heimat seiner Mutter und Wohnort der Großeltern. Was er dort „unter Volksgenossen/ -genossinnen“ erlebte, hat ihn später dazu veranlasst, sein Buch „Spießer-Ideologie. Von der Zerstörung des deutschen Geistes im 19. Jahrhundert und den Aufstieg des Nationalsozialismus“ zu schreiben. In seinem Beitrag zu diesem Band werden ganz wenige Schlaglichter auf die kleinbürgerliche Mentalität geworfen, die mit der Bezeichnung „Spießer“ wohl – wenn man vom heutigen Sprachgebrauch ausgeht – zu harmlos klingt. Es geht um den an sich tief erschreckenden und beunruhigenden geistesgeschichtlichen Wandel über Jahrzehnte, bei dem aus dem Bildungsbürger der Untertan und dann der Volksgenosse wurde. Franz Grillparzer stellte in einer dunklen Vision 1849 fest, dass die deutsche Geschichte von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität (sic!) führen werde. Das Buch „Die Brücke Franken“ macht deutlich, wie und warum dieses furchtbare Diktum sich anschickte, Realität zu werden – in Franken, vor allem in Franken. (Freilich auch anderswo.) Hermann Glaser
Aktualisiert: 2020-03-09
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Erhellung und Beschleunigung

Erhellung und Beschleunigung von Kett,  Siegfried
Nürnberg ist mit der Entwicklung der Elektrizitätslehre und der Elektrotechnik eng verknüpft. Namen wie Georg Simon Ohm (1789-1854) und Sigmund Schuckert (1846-1895) zeugen davon. Doch die geschichtliche Verbindung Nürnbergs mit der Elektrizität reicht weit über den Physiker Ohm und den Unternehmer Schuckert hinaus. Sie geht zurück bis ins Barockzeitalter, als hier der Gymnasialprofessor Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) das erste Lehrbuch über die Elektrizität in deutscher Sprache geschrieben hat zu einer Zeit, als all das, was wir heute ganz selbstverständlich damit verbinden, noch jenseits jeder Denkvorstellung lag. Künstliches Licht in den Häusern spendeten Kienspan, Kerzen und Öllampen, deren Leistung man durch Verbesserung des Dochtes zu steigern versuchte. Auf den Straßen war es nachts finster; die erste Straßenbeleuchtung in Nürnberg sollte es erst über 40 Jahre nach Doppelmayrs Tod geben, und zwar aus fest installierten Öllampen. Eine Nachricht von Nürnberg nach Venedig war über eine Woche unterwegs. Vor dem Blitz als göttlichem Feuer versuchte man sich mit Gebeten, Läuten der Kirchenglocken, geweihten Kräutern und allerlei Zaubermitteln zu schützen. Energie lieferten Wasserräder, von denen es in Nürnberg längs der Pegnitz und des Fischbachs, der damals noch offen durch die Stadt geflossen ist, über 150 gegeben hat, die Getreide-, Papier- und Pulvermühlen sowie Hammer- und Schöpfwerke angetrieben haben. Die elektrische Kraft zeigte sich noch recht unspektakulär dadurch, dass ein geriebenes Glasrohr ein paar winzige Blattgold- oder Papierschnitzel anziehen konnte. Nach Doppelmayr gab es in Nürnberg immer wieder sehr interessante, wichtige und für die jeweilige Zeit charakteristische Menschen, für die die Elektrizität Forschungs- und Experimentierfeld gewesen ist, die als reisende Schausteller und Experimentatoren, Geräte- und Blitzableiterbauer oder als sonstige Handwerker ihr Brot damit verdienten oder als Unternehmer die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der führenden deutschen Standorte der Elektroindustrie gemacht haben. Dieses Buch will diese facettenreiche Geschichte zwischen dem 18. Jahrhundert und der Wende zum 20. Jahrhundert näher beleuchten. Beim Gang durch diese Geschichte braucht man keine umfangreichen physikalischen oder technischen Kenntnisse. Aber mitunter könnte es doch hilfreich sein, auf entsprechende Grundinformationen zurückgreifen zu können. Dazu dienen kurze Einschübe zwischen den historischen Kapiteln.
Aktualisiert: 2022-01-22
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