Als der Nebel sich lichtete

Als der Nebel sich lichtete von Kießling,  Lea, Kießling,  Nadine, Wittmann,  Otto
Einsam und markant erhebt sich der Hesselberg aus der sonst flachen fränkischen Landschaft. Zahlreiche Legenden ranken sich um diesen Berg – und manche Leute glauben noch bis heute an sie. Für den Geologieprofessor Gerald Haug ist der Hesselberg zentraler Sehnsuchtsort seiner Kindheit. Jede freie Minute verbringt er dort. Allein. Doch eines Winters wird ihm seine Liebe zum Hesselberg zum Verhängnis. Auf seinen Wanderungen trifft er häufig auf eine seltsame, sich unglaublich behände bewegende schwarze Gestalt, die verschwindet, sobald er sie genauer erkennen kann. Hat das etwas mit der Legende der drei Schlössleinsjungfern zu tun, die am Hesselberg herumgeistern und Männer ins Verderben bringen sollen? Gerald zweifelt an seinem Verstand und meidet den Berg, weil er glaubt, verrückt zu werden. Bis er es eines Tages nicht mehr aushält und eine bahnbrechende Erkenntnis macht.
Aktualisiert: 2019-06-17
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Im Schatten Goethes: Kotzebue

Im Schatten Goethes: Kotzebue von Heizmann,  Bertold
August von Kotzebue (1761-1819) ist laut Nietzsche das „eigentliche Theatertalent der Deutschen“. Heute ist sein umfangreiches Werk, das seinerzeit die Bühnen ganz Europas beherrschte, weitgehend in Vergessenheit geraten, man kennt ihn noch als Opfer eines Meuchelmords, einer Tat, die weitreichende politische und soziale Veränderungen zeitigte. Die vorliegende Monographie unternimmt den Versuch, den Dramatiker, Romanautor, Librettisten, Publizisten und Politiker Kotzebue sowie sein dichterisches Werk „im Schatten Goethes“ neu zu bewerten.
Aktualisiert: 2019-02-28
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Was habe ich euch getan?

Was habe ich euch getan? von Held,  Friedrich
Elsa Lehmann-Richter musste schmerzlich erleben, wie sich politische Veränderungen dramatisch auf das private Leben auswirken können. In der kleinen fränkischen Stadt Wassertrüdingen verlebte sie eine behütete Kindheit in einem gläubigen jüdischen Elternhaus und in einer eingespielten Gemeinschaft von Christen und Juden. So konnte es geschehen, dass sich Elsa in den Christen Fritz Richter verliebte. Dieser erwiderte die Liebe, und sie konnten heiraten. Es wurde eine glückliche Ehe, die alle Widrigkeiten der Zeit überstand: Die Notzeit während und nach dem 1. Weltkrieg, den geschürten Hass gegen Juden, die Einschränkung ihrer Rechte, die zunehmende Angst vor Entdeckung und Verfolgung, den Schmerz über die Auswanderung der beiden Söhne, das jahrelange Versteckt-sein-müssen in ihrer kleinen Wohnung, schließlich die Bombenangriffe, ohne die Möglichkeit einen Luftschutzbunker aufzusuchen. Die Klugheit und Lebenstüchtigkeit ihres Mannes, der unerschütterlich zu ihr hielt, der das Ansinnen, sich von ihr zu trennen, zurückwies und der dafür seinen Beruf aufgegeben hatte, halfen über die tödlichen Gefahren der Zeit und führte das Paar aus dem gefährdeten Nürnberg zurück nach Wassertrüdingen. Dort musste Elsa versteckt bleiben. Sie erfuhr persönliche Zuwendung und Hilfe durch mutige Verwandte und fühlte sich nach dem Ende des Krieges in ihrer alten Heimat wieder wohl. Die zahlreichen Ansichten von Wassertrüdingen sollen das unterstreichen. In den berührenden Erinnerungen von Elsa Lehmeier-Richter wird ungekünstelt über ihr Leben berichtet. Sie lassen den Leser die ungewöhnlichen schicksalhaften Verstrickungen mit der Willkür des damaligen verbrecherischen Systems erahnen. Elsa war eine bescheidene, freundliche, zurückhaltende Frau, und es erscheint mir beachtenswert, dass der in Todesangst und aus unsäglichem Leid gestellten Frage „Was habe ich euch getan?“ keine laute Anklage folgt. Ihr Bericht steht dafür und mag uns allen Mahnung sein. Friedo Huber Augsburg/Wassertrüdingen
Aktualisiert: 2019-02-28
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Mittwochsfenster

Mittwochsfenster von Butzlaff,  Wolfgang, Jäckel,  Günter, Klieme,  Günter, Klose,  Jürgen, Malles,  Hans-Jürgen
Zum Geleit Günter Jäckel Warum Schiller nicht in Dresden bleiben wollte Günter Klieme Schiller in Dresden I. Zur Geschichte der Schiller-Gedenkplätze in Dresden II. Zu Schillers Wirken in Dresden und Loschwitz Wolfgang Butzlaff Schiller als Kritiker Goethes Hans-Jürgen Malles „Ich habe ihm besonders gerathen, kleine Gedichte zu machen ...“ Schiller, Hölderlin, Goethe: Ein Mißverständnis? Jürgen Klose Friedrich Schiller – der Unsterbliche? Eine Pirnaer Rede Lektüren Jules Barbey d’Aurevilly: Gegen Goethe Besprochen von Wolfgang Butzlaff Uwe Hentschel: Moderne Klassik – Klassik der Moderne Besprochen von Jürgen Klose Hannelore Lauerwald: Goethes Minchen in Görlitz Besprochen von Karin Großmann Rüdiger Safranski: Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Bündnis im Spiegel ihrer Dichtungen Besprochen von Jürgen Klose Zu den Autoren Der zweite Band des „Mittwochsfensters“, dessen Erscheinen sich durch unvorhersehbare Widrigkeiten sehr verzögert hat, war ursprünglich den Schiller-Jahren 2005 und 2009 gewidmet. Jetzt bereichert er insbesondere die Schiller-Literatur um zum großen Teil nicht mehr erwartete Beiträge. Er beginnt mit der an dieser Position schon etwas ironischen Halbfrage „Warum Schiller nicht in Dresden bleiben wollte“, die Prof. Dr. Günter Jäckel, der ehemalige Vorsitzende unserer Goethe-Gesellschaft, in seinem Festvortrag 2005 zu einer Antwort führte; fortgesetzt wird mit einer Schau auf Dresdens Schiller-Stätten, die Dr. Günter Klieme mit weiterführenden Betrachtungen zum Verhältnis des werdenden Klassikers zur sächsischen Hauptresidenz verknüpfte. Leider können Günter Jäckel und Günter Klieme das Erscheinen ihrer Artikel nicht mehr erleben. Günter Klieme verstarb am 30. November 2008, Günter Jäckel am 23. Dezember 2011. Im Anschluß an die Lokalreminiszenzen folgen Beiträge zur diskursiven Schiller-Forschung, beginnend mit den Ausführungen des ehemaligen Vorsitzenden der Goethe-Gesellschaft Kiel, Dr. Wolfgang Butzlaff, der sich des ertragreichen Themas „Schiller als Kritiker Goethes“ annahm. Auch dieser Beitrag ist ein Vermächtnis. Wolfgang Butzlaff verstarb am 5. April 2014. Es folgt die Hinterfragung des problematischen Verhältnisses zwischen den Weimarer Dioskuren und dem schwäbischen „Nachwuchstalent“ Friedrich Hölderlin in einem Vortrag von Dr. Hans-Jürgen Malles aus Leipzig. Beschlossen werden die Beiträge durch eine die Schiller-Rezeption seit 1805 durchstreifende Rede des Herausgebers. Dem Vortragsteil nachgestellt sind Reflexionen zu Lektüren einiger auffälliger Publikationen der Goethe- und in diesem Fall auch der Schiller-Literatur.
Aktualisiert: 2019-08-05
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Die längste Stadtwurst der Welt

Die längste Stadtwurst der Welt von Schrenk,  Johann
Vollständige Dokumentation des Weltrekords (1,1 km lange Stadtwurst am Stück und passend dazu die 1 km lange Bierbankhusse der Fa. Bartl, Röttenbach). Dazu eine Einführung in die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Röttenbach und ihrer Ortsteile Röttenbach, Niedermauk, Ober- und Unterbreitenlohe und Mühlstetten. Das ganze reichhaltig mit Farbfotos des Autors illustriert.
Aktualisiert: 2019-03-06
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Mit Licht und Schatten gepflastert

Mit Licht und Schatten gepflastert von Noack,  Bernd
Literarische Spurensuche in Franken und Fürth. Auf den Spuren von Elia Halevi - Leopold Ullstein - Max Bernstein - Alfred Louis Nathan - Jakob Wassermann - Bernhard Kellermann - Eugen Gürster - Ruth Weiß - Richard Krautheimer - Mary Rosenberg. Bernd Noack: „Fürther“ - Elf literarische Erkundungen (und eine Begegnung mit Durchreisenden), Schrenk Verlag, Gunzenhausen, 2007 Man kennt Wasser-, aber wer war Kellermann? Der Name Ullstein steht auf vielen Buchrücken, aber nach einem Eugen Gürster sucht man vergeblich in Buchhandlungen. Wer im Fürther Nathan-Stift das Licht der Welt erblickt hat, wird nicht automatisch fränkisch-jiddische Gedichte aufsagen; und wer etwas mit dem Begriff Krautheimer-Krippe anfangen kann, wird sich kaum gleichzeitig für das frühchristliche Rom interessieren. Was macht eine junge Buchhändlerin aus Fürth in New York und warum sollte man bei einer der berühmtesten Opern aus Paris ausgerechnet an die alte Synagoge am Rand des Gänsbergs denken? Die Wege zwischen Franken und Südafrika oder Argentinien sind weit; weshalb also trat man sie an vor Jahrzehnten? Schließlich: Warum wohl musste Thomas Mann der Gattin eines in Fürth geborenen Rechtsanwalts dankbar gewesen sein? Bernd Noack begibt sich in seinem Buch auf die Spuren von elf (zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert) in Fürth geborenen Persönlichkeiten, denen gemeinsam ist, dass sie alle im engeren oder weiteren Sinn etwas mit Literatur und Kunst zu tun hatten (oder noch haben). Sie alle verbrachten lediglich ihre Kinder- und Jugendzeit in dieser Stadt, um dann an den unterschiedlichsten Orten Europas (und darüberhinaus) sich erfolgreich einzumischen in das literarische, gesellschaftliche und politische Leben ihrer Zeit. Manche gingen freiwillig, weil ihnen die stickige, dunkle Stadt zu eng wurde, viele mussten fliehen, weil sie als Juden im einstigen „fränkischen Jerusalem“ zu Freiwild geworden waren. Doch aus ihnen wurden Bestseller-Autoren oder verspielte Feingeister, zurückhaltende und hartnäckige Mahner oder leise und kluge Zweifler, einsame Käuze oder Freunde und Weggefährten großer Künstler; sie waren Berühmtheiten zu Lebzeiten oder sie sind „Geheimtipps“ – bis heute. Erinnerungen an ihre Heimatstadt aber finden sich – mal mehr, mal weniger; mal versteckt, mal zentral; mal liebevoll, mal zornig; mal heim-wehmütig, mal befreit aufatmend; mal gerecht, mal undankbar – überall in ihren Schriften und Erzählungen. Die literarischen Erkundungen durch Werk und Biografie der neun Männer (Elie Halévy, Leopold Ullstein, Max Bernstein, Alfred Louis Nathan, Jakob Wassermann, Bernhard Kellermann, Eugen Gürster, Richard Krautheimer und Robert Schopflocher) und zwei Frauen (Mary S. Rosenberg und Ruth Weiss) beginnen dabei stets vor Ort, in den engen Gassen Fürths oder in den Prachtstrassen und Boulevards, deren Atmosphäre prägend war, belastend oder beschützend; und der Spaziergang durch diese so unterschiedlichen Vergangenheiten (oder gibt es doch erstaunliche Verbindungen?) führt dann hinaus in die großen Städte und in die „äußeren und inneren Landschaften“, vor allem aber hinein in die Bücher, mit denen diese „Fürther“ von sich reden machten. Viele von ihnen sind – im Gegensatz etwa zu umstrittenen Außenministern, wirtschaftswunderlichen Kanzlern oder schwerreichen Unternehmern, denen regelmäßig in ihrer Geburtsstadt große Ehre zuteil wird – heute vergessen. Der „Stolz“ der Stadt auf ihre „großen Söhne und Töchter“ hat sie nie so recht oder überhaupt noch nicht erreicht; obwohl sie selber, freilich meist im erzwungenen Exil, immer wieder an dieses Fürth, das manche von ihnen schändlich behandelt hatte, als an ein verlorenes Stück Heimat gedacht haben. Mit gemischten Gefühlen nicht selten, aber eben dennoch.
Aktualisiert: 2018-08-26
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Lebensspuren – Gedankenwelten

Lebensspuren – Gedankenwelten von Bröder,  Friedrich J, Glaser,  Hermann, Ogan,  Bernd
KULTUR ALS POLITIK – POLITIK ALS KULTUR HERMANN GLASERS PUBLIZISTISCHES WERK UND POLITISCHES WIRKEN Nürnberg ist ein schwieriges Terrain – politisch wie kulturell; und viel mehr auch dort noch, wenn es gilt, beide Felder zu beackern, das politische wie das kulturelle. Kulturpolitik zu machen in der einstigen „Stadt der Reichsparteitage“, wo alljährlich Hitler Heerschau hielt, wo die „Nürnberger Rassegesetze“ verkündet und die „Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse“ abgehalten wurden, ist eine überaus herausfordernde Aufgabe. Wenn Nürnberg heute das Odium seiner schlimmen Vergangenheit nicht mehr so nachhaltig anhängt, ja Nürnberg sich sogar zur „Stadt der Menschenrechte“ gemausert hat, dann verbindet sich diese Entwicklung nicht zuletzt mit dem Namen Hermann Glasers, des Kulturpolitikers, dessen politisches Wirken sich mit einem publizistischen Werk verbindet, das sich der harten Kärrnerarbeit der „Vergegenwärtigung des Vergangenen“ stellt, um so „Geschichte“ aufzuarbeiten, ohne sie in geflissentlich propagierter „Vergangenheitsbewältigung“ zu verdrängen. Es gibt keinen Grund, aus Anlass von Hermann Glasers 80. Geburtstag, zu dem die vorliegende Auswahl aus seinem publizistischen – und mit einer Gesamtbibliographie vorgestellten – Werk erscheint, die mittlerweile legendäre „Ära Glaser“ zu glorifizieren oder gar zum Mythos zu verklären. Dafür steht der Kulturpolitiker wie der Publizist Glaser viel zu sehr für eine aufklärerisch-antizipatorische Vernunft, die den rationalen Diskurs vor ein politisches Kalkül setzt, das der Macht vor dem Geist das Wort redete oder gar der „instrumentellen Vernunft“ in einer „affirmativen Kultur“ Platz einräumte. In seiner bewegenden Rede zum Abschied Hermann Glasers vom Amt des Nürnberger Kulturreferenten sprach Hans Mayer, der große Literaturwissenschaftler und Sozialforscher, im April 1990 im Nürnberger Opernhaus über diese Aporien von Theorie und Praxis, von Geist und Tat, von den „Beziehungen zwischen Politik und Kultur am Abend der Vernunft“. Und er meinte damit Glasers Impetus, Kultur und Politik, theoretisches Denken und politisches Handeln zu versöhnen, und im dialektischen Diskurs theoretisches Bewusstsein in kulturpolitisches Sein umschlagen und Gestalt annehmen zu lassen. Als 1964 Hermann Glasers scharfsichtige Analyse deutscher Befindlichkeit, die „Spießer-Ideologie“ (mit dem symptomatischen Untertitel „Von der Zerstörung des deutschen Geistes“), erschien, rückte der staatsexaminierte und promovierte Nürnberger Studienrat mit einem Schlag ins Licht der Öffentlichkeit – und wurde im selben Jahr in Nürnberg zum – damals jüngsten – Kulturdezernenten einer deutschen Großstadt berufen. Strafte sich das zwar als „rote Arbeiterstadt“ geltende, dabei kleinbürgerliche Nürnberg damit selbst Lügen, einen republikanisch-aufrührerischen Geist wie Glaser zum Aushängeschild zu machen oder wollte Nürnberg nur das Diktum widerlegen, dass „Nürnberg im Kleinen groß, im Großen aber kleinlich“ sei? Wie auch immer: Nürnberg wurde in den Jahren darauf zu einem Ort, in dem der Diskurs, den die „Studentenrevolte“ und die „APO“, die „außerparlamentarische Opposition“, angezettelt hatten, theoretisch auf den Punkt gebracht und die – wenn auch andernorts buchstäblich – „brennenden“ Fragen der Zeit verhandelt wurden: die „Nürnberger Gespräche“, die Glaser ins Leben gerufen hatte, debattierten mit der intellektuellen Elite des „geistigen Deutschlands“ so Aufsehen erregende Themen wie „Haltungen und Fehlhaltungen in Deutschland“, „Aufklärung heute – Probleme der deutschen Gesellschaft“, „Gegenwart und Zukunft der deutschen Gesellschaft“, „Teilhabe – Kommunikation und Partizipation in unserer Gesellschaft“ oder „Opposition in der Bundesrepublik“. Weit mehr noch als mit den „Nürnberger Gesprächen“ rückte der Kulturreferent Glaser die Dürer-Stadt Nürnberg im „Dürer-Jahr 1971“, zum 500. Geburtstag des wohl größten Sohnes der Stadt, in den Blickpunkt einer nicht nur kulturell interessierten Öffentlichkeit. Aber dabei ging es nicht nur um kommunale Image-Pflege oder um ein wohlfeiles PR-Profil, sondern um die – heute längst zum Schlagwort verkommene – „Nachhaltigkeit“ einer Kulturpolitik, der das Wort „Event“ fremd war: Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik, die der Hochkultur in „Kulturläden“, in allen Stadtvierteln angesiedelt, eine demokratische „Sozio-Kultur“ für alle entgegensetzt, die „Industriekultur“ in einer Industriestadt wie Nürnberg nicht nur museal begreift und den 150. Jahrestag der ersten deutschen Eisenbahn, die 1835 von Nürnberg nach Fürth fuhr, zum Anlass einer Ausstellung im neu gegründeten „Museum Industriekultur“ machte, in der die Deutsche Bahn – von Glaser geradezu dazu gezwungen – sich zum ersten Mal öffentlich ihrer verhängnisvollen Geschichte während der NS-Diktatur stellt. Und eine Kulturpolitik, die der exkulpierenden „Stunde Null“, die es im Deutschland des Jahres 1945 nie gegeben hat, die „Trümmerzeit“ entgegensetzt, die freilich schnell aus dem „panischen Idyll“ erwacht, das nach einem kurzen Innehalten, gleichsam der Verschnaufpause nach „Krieg und Auschwitz“, zur Restauration und Revision der Adenauer-Ära und zum „schwitzenden Idyll des Wirtschaftswunders“ aufbricht. „So viel Anfang war nie“ meinte zwar die Chance der Deutschen, nach dem „Zivilisationsbruch des Faschismus“, der in der Ungeheuerlichkeit von „Auschwitz“ gipfelte, Vernunft und Moral im gesellschaftlichen Bewusstsein eines demokratischen Staates zu konstituierenden Grundpfeilern zu machen. In Nürnberg lässt sich so viel Anfang mühelos mit dem Namen Hermann Glaser verbinden. Aus den Niederungen des politischen Geschäfts brach er immer wieder zu den Höhen eines analytischen Denkens auf, das in unerschöpflicher Wissbegierde und im „Lebens-Mittel des Schreibens“ sich artikulierte. Im quantitativ schwergewichtigen opus magnum der dreibändigen „Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland“ rafft der Kulturhistoriker Glaser noch einmal zusammen, was sein kritisches Denken ausmacht; und wie sich die schon in der deutschen Romantik und viel mehr noch im Wilhelminismus des deutschen Kaiserreichs angelegte „Zerstörung des deutschen Geistes“ in einer „deutschen Sozialpathologie“ niederschlägt, in der das „Hakenkreuz zum Nierentisch“ mutiert und „Biermystik und Hordenromantik“ mit dem „Furchendasein“ und dem „Nischenglück“ im „Winkel der Gartenlaube“ in eins gehen. Wenn in Deutschland, im „Land der Aufklärung“, der Mythos über den Logos triumphiert, kann man kaum noch von einem „aufgeklärten Land“ sprechen. Im Gegenteil: die Kehrseite der deutschen Medaille, auf der die Fackel der Vernunft und einer vom deutschen, nicht zuletzt Nürnberger Humanismus geprägten Moral brennt, ist die Fratze der Barbarei, die von dem Land der „Dichter und Denker“ und der deutschen Klassik Besitz ergriff und das klassische Ideal des „Wahren, Guten und Schönen“ ins Gegenteil verkehrte. Wie ein roter Faden zieht sich Adornos Diktum von der „Dialektik der Aufklärung“ leitmotivisch durch Glasers schriftstellerisches Werk, dem Günter Grass in seinem „Tagebuch einer Schnecke“ ein Denkmal setzte: „Ein Schriftsteller ist jemand, der gegen den Sog schreibt.“ Vielleicht resultiert aus solchem dialektischen Denken und moralischen Handeln auch der Furor, mit dem Hermann Glaser in seinen „schwersten Stunden“ der geballten Staatsmacht sein aus dem Geiste Zolas geborenes „J’accuse“ entgegenschleuderte: „Ich klage an“, rief Hermann Glaser in seiner öffentlichen Rede vor der Nürnberger Lorenzkirche zum Geläut der Glocken immer wieder aus und reagierte damit – unbesehen seines Amtes und seiner Stellung – auf die Massenverhaftung von 141 Jugendlichen, die von der Polizei in einem städtischen, von Glaser gegründeten „Kommunikationszentrum“, dem „KOMM“, zunächst eingekesselt, dann verhaftet und tagelang festgehalten wurden, nur weil sie der Teilnahme an einer Demonstration, bei der es zu geringfügigen Ausschreitungen kam, verdächtigt worden waren. Das war seinerzeit ein Fanal gegen die in Zeiten des RAF-Terrorismus undifferenziert jede kritische Haltung niederwalzende Hysterie einer Staatsgewalt, die dem republikanisch-demokratischen Bewusstsein nicht die Stirn und den Kopf bot, sondern den Helm und den Schlagstock. Kein Wunder, dass solchem Denken und Handeln Resignation und melancholische Anwandlungen nicht fremd sind. Glaser, der Homme de lettres, der enzyklopädische Spurensucher, der Kultur ironisch als „Farbigkeitsbedarfs-deckung“ wie als „die Kunst des fröhlichen Scheiterns“ apostrophieren kann und in Rilkes Sentenz „Wer spricht vom Siegen! Überleben ist alles“ die Ohnmacht des kritischen Rationalisten konstatiert, kompensiert den himmelstürmenden Höhenflug des freien Geistes, der „weht wo er will“, mit „optimistischem Pessimismus“ – und findet sein heiteres Heil nicht zufällig in Camus’ „Mythos von Sisyphos“ und in Dürers enigmatischem Kupferstich der „Melancholie“. Denn wer weiß schon zu sagen, ob sich auf den beredt schweigenden Lippen der engelhaften Gestalt der Dürerschen „Melencolia“ nicht doch ein gehauchtes Wort abzeichnet, das man als eine reflektierende Andeutung über drei Buchstaben bei Kleist ausmachen kann: nämlich das aufseufzende „Ach“, in dem Hermann Glaser all die Weh- und Schwermut und die „Ohn-Macht“ zusammenfließen lässt, in die sich Kleists Figuren, die Alkmene (im „Amphitryon“), die „Penthesilea“ wie das „Käthchen“, der „Prinz von Homburg“ wie die „Marquise von O“ flüchten, wenn sie wie Schillers „Tasso“ in ihrer Qual verstummen und doch ihnen ein Gott gibt, zu sagen, was sie leiden: Ach! F.J. Bröder
Aktualisiert: 2018-08-26
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Kulturgeschichte der Deutschen Eisenbahn

Kulturgeschichte der Deutschen Eisenbahn von Glaser,  Hermann
Vor 175 Jahren fuhr die erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Damals hieß es in einem Gedicht, das zur Festtafel anlässlich der Eröffnung gesungen wurde: Der Anfang ist geschehen, Es liegt der Strecke Bahn; Und solls nach Ost und Westen weitergehen, So knüpft man eben an. Seit dem ausgehenden Mittelalter hatte die Menschen ein Vernetzungstraum bewegt, verbunden mit der Hoffnung auf Überwindung von Raum und Zeit. Nun war er Wirklichkeit geworden. Hans Christian Andersen erlebte die Eisenbahn auf einer Reise als „Großtat des Geistes“. Nürnberg habe, so der dänische Dichter euphorisch, in den gigantischen Gedanken der jungen Zeit miteingestimmt, „Städte durch Dampf und eiserne Bänder zu verbinden“. Keine technische Innovation war so folgenreich wie der Bau von Eisenbahnen. In England wurde er begonnen, bevor er in den USA fortgeführt und schließlich – für Deutschland erstmals – in Nürnberg praktiziert wurde. Mit der Fahrt des „Adler“ begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte. In vier Kapiteln widmet sich dem das neue, reich illustrierte Buch „Kulturgeschichte der Deutschen Eisenbahn“ auf 224 Seiten. Prof. Dr. Hermann Glaser, der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Nürnberg, stellt die historische Bedeutung der Eisenbahn in allen Details vor. Das erste Kapitel handelt • von der Eisenbahn als Medium des Nationalinteresses bis zu den Arbeitermassen, welche die Trassen anlegten; • von der durch Erfindergeist und Genialität bestimmten Bau- kunst bis zur Erschließung des Hinterlandes durch die Sekundärbahnen; • vom Ende der Postkutsche bis zur Eisenbahn als Lokomotive der Industrialisierung; • von der Erweiterung der Hauptantriebskraft Dampf zu Elektrizität und Diesel. Auch der Ausbau der Eisenbahnstrecken in aller Welt wird in diesem Teil des Buches behandelt. Das zweite Kapitel steht unter dem Vorzeichen „moderner Nervosität“. Es widmet sich den Themen: • Die Eisenbahn löst die Gemächlichkeit der als „gute alte Zeit“ romantisierten Biedermeier-Epoche ab und ersetzt sie durch das Tempo und die Hektik der Moderne. • Der Bahnhof als zentraler Ort der sich ausbreitenden Reizwelt. • Die Angst vor dem Unglück verstärkt das Streben nach Sicherheit. Im dritten Kapitel wird die düstere Seite des Eisenbahnwesens aufgeschlagen. Die Eisenbahn, von der es 1835 hieß, sie sei zum Preis der Menschlichkeit geschaffen, gerät in den Dienst unmenschlicher Diktatur – am Ende befördern Eisenbahnen Millionen von Juden in die Vernichtungslager. Aber damit endet die Geschichte der Eisenbahn nicht. Das vierte Kapitel handelt von der Demokratie, in der neue Züge und Systeme neue Hoffnungen auf den Kulturträger Technik transportieren. „Der Zug der Zeit“ soll einem guten Ziel zueilen! Eisenbahngeschichte ist, so Hermann Glaser in seinem neuen Buch, • Technik- und Wirtschaftsgeschichte, • Politik- und Sozialgeschichte • und als Kulturgeschichte vor allem auch Mentalitätsgeschichte
Aktualisiert: 2019-08-12
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