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Abschied oder Renaissance

Abschied oder Renaissance von Johannes,  Driendl
Johannes Driendl – Die Würde des Menschen - Abschied oder Renaissance ? Vorwort Die Idee zu einem Gesamtwerk über die Würde des Menschen im abendländischen Denken ist bereits vor vierzig Jahre entstanden. Meine erste verstorbene Frau hat mit wunderschönen Porträts der Philosophen meine Arbeit begleitet, die nunmehr die Umschlagseite zieren. Meine zweite Frau hat mit ihrem technischen und organisatorischen Verstand mir die Möglichkeit gegeben, das Gesamtwerk zu beenden. Für mich war der Verleger Reinhard Cornelius-Hahn ein Glücksfall, da er mich mit Herz und Seele bei der Publikation eines Werkes unterstützte, obwohl eine hohe Auflage von vorneherein nicht zu erreichen war. Meine Schwester Antonie Wilken und der Konrektor Werner Daig haben die Arbeit sorgfältig korrigiert und zum Teil auch wertvolle Ideen beigesteuert. Ohne meine philosophische Ausbildung auch in der Geschichte der Philosophie in Innsbruck, München und Freiburg i.Br. hätte ich es nicht gewagt, ein derartiges Gesamtwerk mit vierzehn Bänden zu verfassen. Da ich seit rund vierzig Jahren selbständiger Strafverteidiger bin und selbst beim Bundesverfassungsgericht und beim Europäischen Gerichtshof erfolgreich war, kann ich es mir leisten, auf akademische Befindlichkeiten keine Rücksicht nehmen zu müssen und mich niemandem außer dem eigenen Verstand anbiedern zu müssen. Der hier vorliegende 14. Band enthält nicht nur eine Zusammenfassung der bisherigen Bände, sondern auch den Versuch eines neuen Konzepts. Einleitung Nur mit einem gedanklichen Marathon durch die gesamte abendländische Philosophie mit ihren bedeutendsten Vertretern kann man die sich wiederholenden Denk- und Argumentationsmuster verstehen. Aus einem Fetzen oder Stück Stoff können wir nicht das Webmuster erkennen. Daher ist eine puristische Philosophie, konzentriert auf einen einzigen Denker, immer in Gefahr, ihn zu sehr zu verehren, um etwas vom Glanz des Autors mitzubekommen. Ich habe die bisher erschienenen dreizehn Bände nicht deswegen verfasst, weil das Ganze das Wahre ist (Hegel), sondern weil erst dann ein geschlossenes Bild möglich ist. Eine Linie wird umso genauer, je mehr Punkte vorgegeben werden. Je weniger nicht mehr punktuell bei einem oder wenigen Philosophen ein geistiger Halt erfolgt, sondern je mehr versucht wird, allen bedeutsamen Philosophen gerecht zu werden, umso präziser können die Denklinien von der Antike bis zur Gegenwart gezogen werden. Dabei entpuppen sich mehrere Urteile über die Philosophie im allgemeinen und über die großen Denker im besonderen als Vorurteile. Erstes Vorurteil: Die Philosophie wird als Geschwätz, Geschwafel und Gerede angesehen, das man sich nicht unbedingt antun soll. Bei den großen Philosophen ist es jedoch wie bei den großen Malern und den großen Komponisten. Kein Pinselstrich ist überflüssig, jede Note ist überlegt und in eine Gesamtkomposition eingebaut. Zugleich hatten die großen Philosophen ein klares Konzept und ein konkretes Anliegen. Zweites Vorurteil: Die Philosophie hat die Wirklichkeit nur interpretiert, nicht aber verändert. Diese Feuerbachthese von Karl Marx ist schlichtweg falsch. René Descartes forderte die durchgängige Anwendung von Mathematik und Physik, weil wir nur dadurch „Herrscher und Besitzer der Natur“ werden können. Thomas Hobbes forderte die Konstruktion eines rein zweckgerichteten Staates, da wir nur dann den Königsweg zum Frieden erreichen. Beide wollten die Welt verändern und haben sie verändert. Drittes Vorurteil: Die Philosophie bewegt sich im luftleeren Raum, sie erfindet Probleme, die keine sind, sodass sie selbst das Problem, nicht die Lösung ist. Es ist ein Gebiet für weltfremde Spinner, die noch dazu auf ihren angeblichen Tiefsinn eingebildet sind. Die Philosophie war im Gegenteil oft die Aufforderung für Revolutionen und die Antwort auf Revolutionen. Ohne die kopernikanische Revolution gäbe es René Descartes und Blaise Pascal nicht, ohne die biologische Revolution von Charles Darwin gäbe es Friedrich Nietzsche nicht, ohne die industrielle Revolution gäbe es Karl Marx nicht. Ohne John Locke und ohne Jean-Jacques Rousseau gäbe es möglicherweise weder eine Amerikanische noch eine Französische Revolution. Kant wurde zutreffend von Karl Marx als die deutsche Ausgabe der Französischen Revolution bezeichnet. Viertes Vorurteil: Wenn man philosophische Schriften liest, ist man danach so schlau wie vorher. Es zerrinnt alles zwischen den Fingern, man hat vielleicht, wie es Hannah Arendt über Martin Heidegger gesagt hat, das Denken gelernt, mehr aber auch nicht. Auch dieses Vorurteil lässt sich nach den vorliegenden Untersuchungen nicht halten. Fünftes Vorurteil: Im Gegensatz zu allen Wissenschaften hat die Philosophie keine Fortschritte gemacht, so dass man als Anfänger mit der philosophischen Lektüre sowohl bei Aristoteles, Ludwig Wittgenstein oder Jürgen Habermas beginnen kann. Die vorliegende Arbeit versucht, auch dieses Klischee zu widerlegen. Sechstes Vorurteil: Wir können uns im Strudel der gesamten Philosophie nicht zurechtfinden, sodass es bei der Vorliebe für den einen oder anderen Denker bleiben muss. Vorliegende Arbeit versucht die Philosophie wie Puzzlestücke zu sehen, die ineinander gefügt werden können. Für mich war es wichtiger, den gesamten Wald als nur einzelne Bäume zu sehen, auch wenn dies auf Kosten von Details gehen mag und wird. Dieser Vorwurf kann zu Recht gegen mich erhoben werden. Dabei muss man sehen, dass ich auch noch einen Hauptberuf als Strafverteidiger habe. In dieser Untersuchung werden zwei neue grundlegende Kategorien vorgestellt: 1. Da die menschliche Würde nur eine Form der menschlichen Selbstwerteinschätzung ist, muss die Problematik der Selbstwerteinschätzung grundlegend behandelt werden. Es wird hier unterschieden zwischen individueller bzw. singulärer Selbstwerteinschätzung (Stichwort: Ruhm), kollektiver Selbstwerteinschätzung (Stichwort: Nation) und universaler Selbstwerteinschätzung (Stichwort: Menschenwürde). 2. Zugleich wird unterschieden zwischen der selbstwertdefinierten Würde, d.h. einer Würde, die durch ein oder mehrere Selbstwertattribute begründet ist, und einer bedrohungsdefinierten Würde, die erst aufgrund ihrer Bedrohung näher umrissen werden kann. Die Philosophiegeschichte zeigt eine Aufstiegs- und Verfallsgeschichte der selbstwertdefinierten Würde. Der Verlauf beider Entwicklungen wird in diesem Band systematisch dargestellt. Die bedrohungsdefinierte Würde bedeutet, dass unterschiedliche Bedrohungen und Gefahren unterschiedliche Gehalte menschlicher Würde freisetzen, definieren und konkretisieren. Auch diese Entwicklung wird in diesem Band systematisch dargestellt. Zum Dritten gibt es davon abgehoben eine normorientierte Definition menschlicher Würde, die das Ergebnis der philosophischen Bemühungen Immanuel Kants war. Auch auf diese Definition menschlicher Würde wird in einem eigenen Kapitel eingegangen.
Aktualisiert: 2022-04-22
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Ohne Scheu

Ohne Scheu von Hahn,  Reinhardt O
Wir waren eine Gruppe von 20 Menschen, Männer und Fauen, die sich von 1982 bis 1989 monatlich trafen, um unser Dasein im Sozialismus lebensfreundlicher zu gestalten. Wir sprachen über Politik, Literatur und auch über Alkoholismus. Die Kaderakte, im sozialistischen Betrieb angelegt, war die erwünschte Biografie für Menschen. Ideologie verlangt Menschen, die sich anpassen und unterwerfen. Verordnete Biografien bedeuten - immer daran zu denken, was die Diktatur will oder was für den Erhalt der Diktatur wichtig ist. Menschen betrügen oder belügen. Tun sie das nicht, so wird daraus die Akte des MfS, mitunter sogar ein OPK (Operativer Kontroll Vorgang) einer Institution. 22 Inoffizielle Mitarbeiter sorgten für eine Verdachts- Biografie des Rädelsführers Reinhardt Hahn im Hauskreis Hahn. Menschen sind gesund, krank, sind verliebt, erwachsen oder jung, sie sind satt, glücklich, aber auch unglücklich, sind froh und hoffnungsvoll, zustimmend oder ablehnend eingestellt. Mensch-Sein, das ist alles, was unser tägliches Fühlen und Erleben bewegt. Das wurde bespitzelt und aufgeschrieben. Aus einem normalen Menschen wird ein Gegner oder sogar ein Feind. Zu den größten Lügen im Sozialismus gehörte, das System sei friedfertig, solidarisch, humanistisch, freiheitsliebend und tolerant. Diktatur verlangt jedoch Dogmatismus, Ideologie, Obsession, Fanatismus, Indoktrination, eben die gesamte Unterwerfung des Menschen. Vertreter der Diktaturen verachten Menschen, die sich ihr nicht unterwerfen. Darum habe ich meine Akte OPK Broiler offen gelegt. Was man über mich erfährt, ist die halbe Wahrheit. Den besseren Teil über mich konnte ich mir bewahren. Reinhardt O. Hahn
Aktualisiert: 2022-03-09
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Sascha auf der Kama in der Taiga

Sascha auf der Kama in der Taiga von Eva,  Alexander
In Sibirien entdeckte ich den Fluss Kama zum ersten Mal, als ich eines Morgens in unserem Barackenzimmer noch auf der Pritsche lag, und jemand von den Mitbewohnern plötzlich in Panik schrie: „Überschwemmung, das Wasser steht schon im Zimmer, wir werden alle ertrinken!“ Es war meine erste Bekanntschaft mit der Dramatik, die von einer Naturgewalt ausgehen kann. Für immer blieben mir die verschiedenen Jahreszeiten mit unvergesslichen Bildern in Erinnerung, besonders der Frühling: Wenn nach dem langen Winter die ersten Sonnenstrahlen das dicke Eis zum Schmelzen bringen und die Eisschollen sich durch die Strömung krachend in Bewegung setzen.
Aktualisiert: 2021-11-25
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Das Christentum – Religion der Würde des Menschen?

Das Christentum – Religion der Würde des Menschen? von Driendl,  Johannes
Wer hat das Patent auf die Menschenwürde, Philosophie oder Christentum ? Bei dem lateinischen Denker und Redner Marcus Tullius Cicero taucht erstmals der Begriff menschlicher Würde auf, die jedoch abgestuft ist, verloren werden kann und dem männlichen Geschlecht vorbehalten ist. Schon der Sophist Protagoras im 4. Jhdt. v. Chr. hatte jedoch den Mensch als „Maß aller Dinge definiert. Athen wurde 338 durch Philipp geschleift, sodass es bezeichnend ist, dass der Kyniker Diogenes Alexander dem Großen, dessen Sohn, entgegengeschleudert hat, er sei Kosmopolit, Bürger der ganzen Welt. Durch diese Idee wurden die Sieger „humanitär diskreditiert“ (Arnold Gehlen). Früher Bürger der griechischen Polis (Stadtstaat), jetzt Provinzler, waren sie wieder wer. Selbstachtung und Neidvermeidungsstrategie gingen bei der Begründung menschlicher Würde Hand in Hand. Den begriffsgeschichtlichen Vorsprung der Antike holt das Christentum ideengeschichtlich ein, da es im Evangelium den Verachteten, Verlassenen und Verlorenen den gleichen Wert zugesteht wie den Etablierten und Arrivierten. Bei Jesus fällt auf, wie schroff er die sozial, kulturell und religiös Geachteten abkanzelt. Er ist vollständig auf Seiten der Abgehängten, er verkehrt mit den verachteten Zöllner und Huren und nimmt sogar die Ehebrecherin in Schutz. Das Christentum wird die Religion der Massen. Auch in Rom wird das Christentum als die Religion der kleinen Leute wahrgenommen (Kelsus versus Origines). Die menschliche Würde ist daher nicht abgestuft, sie kann nicht verloren gehen und sie ist an alle Menschen adressiert. In der Patristik werden die drei Grundaussagen des Alten und des Neuen Testaments zusammengefasst. Durch die Schöpfung wurde die Würde aller Menschen begründet, durch die Erlösung betätigt und durch die Verheißung eines ewigen Lebens erhöht. Der Abschied von der menschlichen Würde wird durch Augustinus eingeleitet, wonach der Mensch keinen eigenen Wert mehr hat. Im Mittelalter wird die „miseria hominis“, die Unwürdigkeit des Menschen zum zentralen Thema. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die sündige Natur des Menschen die der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsame Denkachse, bestätigt durch die damals führenden Theologen Friedrich Gogarten und Romano Guardini. Erst das Grundgesetz berief sich nicht nur auf Kant, sondern in der Aussage über die „Unantastbarkeit der Menschenwürde“ im Ergebnis auf das Christentum. Das Fragezeichen in der Überschrift „Christentum – Religion der Menschenwürde?“ bleibt daher erhalten. Die religiöse, politische und rechtliche Dimension der Menschenwürde Der moderne Staat hat nach Thomas Hobbes allein die Aufgabe, die Würde des Menschen, sein Leben und seine Freiheit, zu schützen. Der Staat wird für ihn zum „sterblichen Gott“, dem wir unter dem „unsterblichen Gott“ den inneren und äußeren Frieden verdanken. Dennoch wird Thomas Hobbes wegen Atheismus verfolgt und muss aus England fliehen. Wer stark genug ist, alle zu schützen, ist auch stark genug, alle zu unterdrücken. Die Würde des Menschen, Leben und Freiheit, ist nach John Locke nicht nur gegen Verbrechen aus der Gesellschaft und gegen Bürgerkriege, sondern auch gegen Übergriffe des Staates, d.h. umfassend zu schützen. Die Idee der Menschenrechte entsteht. Auch Locke muss fliehen. Papst Pius VI. verurteilt die Ideen der Französischen Revolution, die die Menschenrechte auf den Weg bringen, als Sündentaumel. Die soziale Ermöglichung menschlicher Würde durch soziale Teilhabe hat erstmals Karl Marx als allgemeine politische Aufgabe formuliert, indem er das Feindbild der „Ausbeutung“ entwickelte. Der Mensch muss zum Schöpfer seiner selbst werden, was als Kampfansage an das Christentum verstanden wurde. Nur wenige Kirchenführer, wie z.B. der Sozialbischof Ketteler aus Mainz erkannten diese politische Dimension, die jetzt durch die „Theologie der Befreiung“ aufgegriffen wurde. Die Würde des Menschen wurde daher in drei Richtungen durch ihre Bedrohungen definiert. Die Kirchen haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die Würde des Menschen war kein Thema Selbst der christlich-pietistisch erzogene Kant war in seinen Frühschriften der Auffassung, dass der Mensch an sich völlig unwürdig sei. Nach dem 2. Weltkrieg lagen alle Ideologien in Trümmern. Die Väter des Grundgesetzes wandten sich gegen jede Staatsvergottung, wie es Konrad Adenauer formulierte. Mit dem Schutz und der Achtung menschlicher Würde wurden die Ideen von Hobbes und Locke rechtliche Wirklichkeit. Erst nach dem 2. Weltkrieg begann in den Kirchen ein Umdenkungsprozess. In der evangelischen und reformatorischen Theologie wird mit Recht die Frage diskutiert, warum die Thematik der Würde des Menschen in der Vergangenheit nicht beachtet wurde. Papst Johannes Paul II. wird zum Verfechter menschlicher Würde, ohne selbstkritisch zu sehen, dass seit der Patrologie über 1600 Jahre lang das Thema menschlicher Würde mit Ausnahme der Philosophie der Renaissance nicht beachtet wurde.
Aktualisiert: 2021-11-04
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Der rote Affe auf dem Kilimandscharo

Der rote Affe auf dem Kilimandscharo von Hahn,  Reinhardt O
Der Aktivist der Arbeit, Arbeiter im Kollektiv der sozialistischen Arbeit und sogar der Träger der Arthur-Becker-Medaille, ist Robert Ticker. Mit klopfendem Herzen begreift er, sein Vater hatte sich einen Sohn erschaffen, einen Sohn Robert, der nicht wild, aufmerksamkeitsgeschädigt und asozial war, sondern einen, um es in einem Satz zu sagen, einen Helden der Arbeit, der in fast allen Erdteilen der Welt unterwegs gewesen war, der ein bedeutender sozialistischer Baggerfahrer gewesen sein musste, den er, der alte Ticker überall als seinen Sohn ohne Rufschädigung vorzeigen konnte. Mit Medaillen, Orden, bunten Postkarten und sauber mit der Maschine getippten Briefen berichtete dieser Robert Ticker, der Held der Arbeit, beteiligt an Aufbauobjekten in Angola, Ghana, Guinea, Äthiopien, Libyen, Algerien, Mosambik, Syrien, Irak, Kuba und sogar in der Mongolischen Volksrepublik, über ein Leben, das es nie gegeben hat. Der wahre Robert Ticker kannte nur eine kleine Welt aus den Büchern, die er im Knast Rüdersdorf, in der „Schwarzen Pumpe“ und in „Bautzen I“ lesen durfte. Das einzige, was er über Afrika wusste, war ein Film, den er als Jugendlicher in Westberlin gesehen hatte. Es ging um die Tiere der Serengeti, die eine Heimat suchten und nicht sterben sollten. Vor dem Hintergrund des Kilimandscharo, den die Deutschen 60 Jahre die Kaiser-Wilhelm-Spitze nannten, erstreckte sich majestätisch die Savanne in Tansania, in der über eine Millionen afrikanische Gazellen, Zebras, Büffel, Antilopen, Elefanten und Raubtiere grasten und verdauten. Susanne, die Freundin des verstorbenen Vaters, die derweil Robert zugeschaut hatte, wie er seine Briefe las, die er nie geschrieben hatte, tupfte einige Tränen von der Haut im Gesicht und verschmierte das Rot der Lippen mit der Schwarztusche unter den Augen. Sie stippte die halbgerauchte Zigarette in den Ascher, schaute an Robert vorbei, von dem sie ahnen musste, was in ihm vorgehen würde. Leise sagte sie: „Da musste durch, Robert. Da siehste mal, wie du deinem Vater gefehlt hast.“ Roberts Lachen klang irre und war keine gute Antwort.
Aktualisiert: 2022-04-02
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Die Avantgarde der Freiheit

Die Avantgarde der Freiheit von Driendl,  Johannes
Die Würde des Menschen - Die Avantgarde der Freiheit Ohne die Annahme, dass alle Menschen vernunftbegabt sind, ist der Liberalismus undenkbar. Nur durch die Annahme der Vernunft als „einzigem Stern und Kompass“ aller (John Locke) wird die Idee einer freien Gesellschaft geboren, die in der Lage ist, in Form einer parlamentarischen Demokratie dem damaligen König Wilhelm III. von Oranien auf Augenhöhe entgegenzutreten. Locke vertraut nicht nur auf die allgemeine Vernunft, sondern stellt jedes Gesetz auf den Prüfstand der Vernunft. Nur ein Gesetz, das die Freiheit der Menschen begründet und fördert, ist anzuerkennen. Dies bedeutet im Umkehrschluss: Wo kein Gesetz ist, besteht auch keine Freiheit. Nur durch den Angriff von Locke und Rousseau gegen die erste Verteidigungslinie der absoluten Herrscher, gegen das Gottesgnadentum, wird die Freiheit und Gleichheit aller möglich. Es gibt jedoch noch eine zweite, mehr Verzögerungs- als Verteidigungslinie der Fürsten, wonach die Untertanen noch nicht nicht reif zur Freiheit sind. Dieser Auffassung schließen sich nach den Gräueltaten der Französischen Revolution viele große Geister an, auch Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Mit dieser Argumentation kann jedoch ein Volk nie in Freiheit gesetzt werden. Immanuel Kant durchschaut die Verzögerungstaktik, die auch von den deutschen Fürsten getragen wird, und fordert: „Man kann nur dann zur Freiheit reifen, wenn man vorher in Freiheit gesetzt wurde“. Dies bedeutet: Freiheit sofort! Auch bei Kant zeigt sich das Vertrauen auf die Vernunft und die Autonomie der Menschen, der nur solchen Gesetzen gehorchen muss, die er sich wohlverstanden selbst gegeben hat. Hingegen schränkt Rousseau die Vernunft der Individuen ein, da er dem Einzelwillen den Gesamtwillen des Staates entgegenstellt. Diejenigen, die den Gesamtwillen (volonté générale) nicht erkennen, haben im Ergebnis ein falsches Bewusstsein, diejenigen, die den volonté générale als Hebel ihrer Macht benutzen, bescheinigen sich ein wahres und richtiges Bewusstsein. Rousseau wollte mit diesem Konzept die Freiheit der Bürger erreichen, strebte den Liberalismus an und schaffte den Boden für einen faktischen Totalitarismus. Die Stärken und Schwächen Rousseaus sind die Stärken und Schwächen der Französischen Revolution.
Aktualisiert: 2021-12-09
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Die Inhumanität der Humanwissenschaften

Die Inhumanität der Humanwissenschaften von Driendl,  Johannes
Die Hoffnung, dass die Überlegungen von Immanuel Kant zur Würde des Menschen in der Philosophie auf lange Zeit wie eine „heilige Kuh“ unangetastet bleiben, hat sich schon nach kurzer Zeit zerschlagen. Arthur Schopenhauer greift die scheinbare Würde des Menschen als reale Eitelkeit an, mit der sich akademische Kreise und Professoren gerne schmücken, von der aber außerhalb der Lehrstühle niemand etwas weiß. Tiefer geht Friedrich Nietzsche, der aufzuweisen versucht, dass die gesamte abendländische Denkgeschichte eine Verfallsgeschichte menschlicher Würde ist. Damit war jedoch die Kantische Festung „Menschliche Würde“ noch nicht sturmreif geschossen. Anthropologie, Psychologie, Soziologie, Ethnologie und „Archäologie“ sehen den Menschen „Jenseits von Freiheit und Würde“ (Skinner), die Würde des Menschen hat selbst als Reliquie des Denkens ausgedient. Das Innenleben des Menschen bewegt sich danach zwischen Chaos, Einbildung und Selbstüberschätzung. Es müssen sich jedoch auch die Humanwissenschaften in gleicher Weise Fragen nach ihren wissenschaftlichen Voraussetzungen gefallen lassen. Holzschnittartig und mit dem Hammer argumentiert: Die Institutionen ersetzen bei Gehlen die Zucht des Dritten Reichs, Skinner beharrt unwissenschaftlich auf seiner engen Forschungsperspektive der Rattenähnlichkeit des Menschen, bei Parsons gerät vom Menschen nur noch ins Blickfeld, was von der Erwartungshaltung des Systems gefordert wird, die Ethnologie von Lévi-Strauss sieht bei ihren Fliegenbeinzählen keine Fliege mehr. Wer die Wirklichkeit nur noch in Strukturen sehen will (Foucault), sieht am Ende vor lauter Strukturen die Wirklichkeit nicht mehr.
Aktualisiert: 2022-02-24
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Burrhus F. Skinner Von der Social Media zur Apokalypse

Burrhus F. Skinner Von der Social Media zur Apokalypse von Driendl,  Johannes
Der Weg der ‚Social Media“ zur Apokalypse Der Einfluss der „Social Media“ auf die Gesellschaft, auf das Verhalten der Menschen, lässt sich schwer abschätzen, aber kaum überschätzen. Wenn Randalierer, die am 6. Januar 2021 ins Kapitol in Washington ein-dringen, Ihre Information über die gesamte politische und soziale Wirklichkeit aus den Twitterbotschaften von Donald Trump und ihm gewogener Fernsehsender wie „Fox News“ beziehen, sind sie buchstäblich konditioniert. Wie der berühmte Psychologe Burrhus F. Skinner seine Tauben belohnte, wenn sie zu einer Kugel blickte, bis er sie soweit hatte, dass sie mit der Kugel Pingpong spielten, so belohnte Trump seine Anhänger. „Ihr seid etwas Besonderes, ich liebe Euch“. Die Gefahren der „Social Media“ gehen jedoch weit über Trump hinaus. Deren Algorithmen berechnen das Verhalten ihrer User immer präziser, sodass diese nur noch - vermischt mit Werbung - mit Nachrichten gefüttert werden, die in ihre Erwartungshaltung passen. Es kommen nur noch bestätigende Informationen, die jede Lernbereitschaft abschwächen. Die Followers werden abhängig vom Anführer, dieser wieder von den Followers. Es wird eine virtuelle Welt voller Glück aufgebaut, in der sich die User ständig neue Anerkennungs- und Bestätigungserlebnisse holen können. Es wird daher immer schwer, aus dieser künstlichen Blase herauszufinden und noch schwerer, den Hintersinn der Algorithmen zu erfassen, der auf maximalen Kommerz ausgerichtet ist. Die Thesen von Burrhus F. Skinner in seinem Werk „Jenseits von Freiheit und Würde“ bedeuten zum einen, dass sich Menschen wie Ratten konditionieren und manipulieren lassen, zum andern, dass die Idee der Würde des Men-schen nur noch die Reliquie einer vergangenen Kultur ist.
Aktualisiert: 2021-07-08
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John Locke Revolutionen – Königswege zu Visionen

John Locke Revolutionen – Königswege zu Visionen von Driendl,  Johannes
Handbuch oder Anleitung für Revolutionäre Es gibt kein Handbuch für Revolutionen oder Revolutionäre, es gibt jedoch eine feste Denkabfolge, welche Schritte bei einer Revolution beachtet werden müssen. Echte Revolutionen haben einen humanen Rechtstitel, das Ziel einer menschenwürdigen Gesellschaft. Sie sind erst möglich durch eine radikale Gegenwartskritik und den korrespondierenden Auf-bau des Selbstwertes der Akteure. Die Gegenwartskritik wurde in der Vergangenheit durch die Naturzustandslehren (Hobbes, Lo-cke, Rousseau) verstärkt. Die Revolutionen folgen einem festen Mechanismus: Verstärkung des Leidensdrucks der Bevölkerung, Schuldzuweisung, Notwendigkeit eines Feindbildes, Steuerung der Empörung, Wut und Zorn und die Mobilisierung der Massen. Der Weg in die Zukunft führt über die Frage, welcher Mitteleinsatz (von Blumen bis zur Gewalt) gerechtfertigt ist. Können Visionen auch durch die zwischenzeitliche Aufhebung der Menschenwürde – Gewalt, Terror – erreicht werden? Sind Revolutionen Königswe-ge zu Visionen oder vielleicht nur Irrwege? Die Aussage „Wir waren alles, sind nichts mehr und können wie-der alles werden“ zündet den Turbo für Revolutionen. Die Den-ker Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Hegel und Marx bieten ein reichhaltiges Anschauungsmaterial. Damit ist auch der Blick auf die Englische, die Amerikanische, die Französische, die „1848’er“, die Russische (?) und die Friedliche Revolution in der DDR ge-weitet.
Aktualisiert: 2021-07-01
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Todesmut und Entwürdigung

Todesmut und Entwürdigung von Driendl,  Johannes
Von der Antike bis in die Moderne - Eine Geisterfahrt zum neuen Denken Den nicht aussterbenden Verfechtern einer kulturellen Überlegenheit der weißen Rasse, die ihre Projektionsfläche in Donald Trump haben, wird durch die wissenschaftlichen Forschungen der Paläoanthropologie endgültig der Boden entzogen. Danach kommen alle Menschen unserer Zivilisation aus Afrika, etwa aus dem heutigen Äthiopien oder Kamerun. Die Neandertaler sind ebenso wie die Denisova-Menschen aus dem Ural-Altai-Gebirge wie viele andere Zwischenformen von Mensch und Affe ausgestorben, wenngleich die Neandertaler wie die Denisowa-Menschen uns ein paar Prozent von ihrem Erbgut hinterlassen haben. Nach dem Mord an George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis ist die Rassismusdebatte neu entflammt, selbst Kolumbus- oder Bismarck-Statuen wurden von ihrem Sockel geworfen. Es stellt sich philosophisch die Frage, ob und wann das Überlegenheitsdenken in der abendländischen Philosophie begonnen hat, konkret ob Plato und Aristoteles Rassisten waren. Die bis heute verachteten Sophisten und Kyniker haben erstmals alle Bürger als gleichberechtigte Menschen entdeckt. Der Kyniker Diogenes antwortete auf die Frage Alexander des Großen, von welcher Stadt (polis) er gebürtig sei, er sei Kosmopolit. Die Schriften der Sophisten wie auch der Kyniker sind ebenfalls unwiederbringlich verloren, wir haben nur Fragmente aus den Zitaten ihrer Gegner. Die totale Niederlage Athens im Krieg gegen Sparta 404 v. Chr. und der Tod des Sokrates 399 v. Chr. führten dazu, dass in der Antike eine Neue Welt entdeckt wurde, der Mensch selbst. Die gesamte griechische Philosophie muss daher nicht nur neu durchdacht, sondern gegen den Strich gebürstet werden.
Aktualisiert: 2021-02-16
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