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Berlin Praxis

Berlin Praxis
Dieses Heft ist die zweite unserer beiden Berlin-Ausgaben, die wir im Nachgang zu unserer Ausstellung 1989–2019: Politik des Raums im Neuen Berlin herausgeben. Wenn man so will, hat die erste Ausgabe von den verlorenen Kämpfen der Vergangenheit gehandelt. Dieses Heft fragt nun danach, wie praktizierende Architekt*innen wieder mehr Handlungsoptionen gewinnen können. Wir behandeln drei zentrale Aspekte, die zu einer neuen Berliner Praxis führen: die Ökonomie des Bauens angesichts des überhitzten Immobilienmarktes, die Entdeckung der Peripherie vor dem Hintergrund der Verknappung von Bauland in der Stadt, und die unter Planungsbüros wie bei der Kritik immer noch ungeliebte und missverstandene Frage der Partizipation.
Aktualisiert: 2021-01-28
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Berlin Theorie

Berlin Theorie
Der Zusammenhang von Identität und Ökonomie wurde im Berlindiskurs bisher viel zu wenig beleuchtet. Dieses Heft legt offen, dass der Berlinische Neohistorismus, die Fassadendiskussion, die Kritische Rekonstruktion und später der Diskurs über die Kreative Stadt neben den identitätspolitischen Zielen nach der Wiedervereinigung maßgeblich der Durchsetzung einer Ökonomie der Stadt dienten, die auf Privatisierung basiert. Geschichte und Kreativität wurden in diesem Prozess zu Marketinginstrumenten der Immobilienbranche im globalen Standortwettbewerb. Die Auswirkungen dieser reaktionären Projektion setzen Berlin heute sozialräumlich unter Spannung.
Aktualisiert: 2021-01-07
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Neuer Realismus in der französischen Architektur

Neuer Realismus in der französischen Architektur
In Frankreich hat sich eine neue Generation von Architekt*innen herausgebildet, die an die rationalistische Diskurstradition anknüpft und diese zugleich mit einer radikalen Einlassung auf die Realitäten des städtischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Kontextes poetisch weiterentwickelt. Darin folgen die Protagonist*innen einerseits lokalen Vorbildern, andererseits lässt sich eine Geistesverwandtschaft mit gegenwärtigen europäischen Architekturentwicklungen wie jene in Flandern nicht leugnen. ARCH+ 240 ist diesen aktuellen Strömungen gewidmet und stellt die junge Szene in Essays, Interviews, Statements und Projektpräsentationen vor.
Aktualisiert: 2020-10-15
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Europa – Infrastrukturen der Externalisierung

Europa – Infrastrukturen der Externalisierung
Seit Europa in der Neuzeit begann, die Welt zum eigenen Nutzen zu erschließen und auszubeuten, setzte es seine Interessen mithilfe von Infrastrukturmaßnahmen durch. Die negativen Folgen seines wirtschaftlichen Handels lagerte es aus – zuvorderst nach Afrika. Der Mythos vom Friedensprojekt eines postkolonialen Europa muss kritisch hinterfragt werden, um das immer noch herrschende Machtgefälle, den Paternalismus und die Ungleichheit zu überwinden. Diese Ausgabe handelt vom strukturellen Rassismus Europas als Raumpolitik: vom infrastrukturellen Rassismus.
Aktualisiert: 2020-12-10
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Architekturethnografie

Architekturethnografie
Was bedeutet es, wenn sich Architekt*innen wieder verstärkt der Lebenswelt in ethnografisch deskriptiver Weise zuwenden? Um anzudeuten, dass es sich bei dabei um eine kritische Herangehensweise handelt, sei sie hier provisorisch reflexive Ethnografie genannt. Reflexiv meint, ein Bewusstsein für das Machtgefälle zwischen Beobachtenden und Beobachteten zu entwickeln, für das Andere in uns. Sie ist eine Methode, mit der wir uns die Welt zeichnerisch erschließen, um unsere eigene Verstrickungen in die unterschiedlichsten Regime und Netzwerke oder die Potentiale und Ambitionen einer gesellschaftlichen Situation aufzudecken.
Aktualisiert: 2020-07-01
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Nikolaus Kuhnert: Eine architektonische Selbstbiografie

Nikolaus Kuhnert: Eine architektonische Selbstbiografie
Die Arbeit hat mein Leben bestimmt. Ein Resümee zu ziehen, wie ich es an dieser Stelle vorhabe, ist ein schwieriges Unterfangen. Mit den folgenden Überlegungen suche ich Themen zu destillieren, die sich durch meine jahrzehntelange Arbeit an der ARCH+ verdichten lassen. Ein Thema wäre das diskursive Entwerfen. Eine Kartierung dieses Themas ergäbe eine Linie, die mit den Stadtbauwelt-Ausgaben beginnt, die ich Anfang der 1980er-Jahre zusammengestellt habe und sich mit denen der ARCH+ fortsetzt, die ich in mittlerweile fast fünfzig Jahren verantwortet habe. Begleitet hat mich in all den Jahren auch meine Vergangenheit. Ich wurde am 7. März 1939 geboren, als Kind einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters. Aus den Erzählungen meiner Eltern wusste ich, dass die Nazihorden am 9. November 1938, also nur wenige Monate vor meiner Geburt, vor der Tür standen, um meine Eltern zu massakrieren. Gerettet hat uns unser Nachbar Ziesenitz. Aus der Recherche zu dieser Selbstbiografie weiß ich, dass die Aktion Sonderkommando J, auch Herbstaktion genannt, im Rahmen derer mein Vater in das Arbeitslager Zerbst bei Dessau kam, nur der erste Schritt sein sollte zur endgültigen Lösung der Frage der jüdischen „Mischlinge“. Gerettet hat uns der schnellere Vormarsch der Amerikaner und der Sowjets, die Ende April Dessau einnahmen und Anfang Mai Potsdam-Babelsberg, wo wir damals lebten. Die Einsicht in die fragile Endlichkeit meines Lebens hat sich schon in meiner Kindheit in mich eingeschrieben. Nun bin ich 80, und es ist an der Zeit, zurückzublicken. Nikolaus Kuhnert
Aktualisiert: 2020-06-30
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Posthumane Architektur

Posthumane Architektur
Wir sind nie human gewesen. Posthumane Architektur und algorithmische Planung Beim Posthumanismus geht es nicht darum, den Humanismus zu Grabe zu tragen, vielmehr geht es um das Eingeständnis der menschlichen Fehler und Fehleinschätzungen hinsichtlich der Frage, was uns überhaupt zum Menschen macht. Der Humanismus hat dem Menschen die zentrale Stellung zugewiesen. Aber dieser Anthropozentrismus steht heutzutage, angesichts des menschengemachten Klimawandels und der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt, vor allem für die ethische Überhebung des Menschen. Hinzu kommt die zunehmende Marginalisierung des Menschen durch autonom agierende Technik. Gerade für den Bereich der Architektur hat diese Entwicklung weitreichende Folgen. Mit dem Smart-City-Diskurs dringen Technologieunternehmen schon weit in das Feld der Architekt*innen und Planer*innen vor. Grundlage der Entwicklungen, von mobilen Anwendungen wie Liefer- oder Mobilitätsservices bis zu den städtebaulichen Projekten von Alibaba und Alphabet, bilden unsere (Nutzer-)Daten. Sie ermöglichen nicht zuletzt neue Planungs- und Entwurfswerkzeuge. Die Algorithmen, Gleichungen und Schlüsse hinter diesen Werkzeugen und Anwendungen sind jedoch keine unhinterfragbaren Wahrheiten. Sie sind weder neutral noch objektiv oder gar faktisch. Hinter ihnen stehen Menschen – Datenanalysten und Programmierer, Konzerne und private Netzwerke –, deren Entscheidungen unsere Vorstellungswelt prägen und über unser Zusammenleben bestimmen. Die Smart City verspricht Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit, ohne über gleiche Voraussetzungen und Lebensverhältnisse für die Bürger*innen zu sprechen. Sie unterwandert damit die tradierten Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als gesellschaftliche und städtebauliche Leitmotive der Stadt. Die Implikationen betreffen also nicht nur das gesellschaftliche Miteinander, sondern auch unser Selbstverständnis. Das zu gewährleisten, war und ist die Kernaufgabe von Architekt*innen. Und daran sollte sich auch im Zeitalter der posthumanen Architektur nichts ändern.
Aktualisiert: 2020-01-17
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Rechte Räume

Rechte Räume
Rechte Räume – Eine Einführung Von Stephan Trüby Nichts scheint mehr sicher zu sein vor dem Rollback in der westlich-demokratischen Gegenwart: Fraglich erscheinen plötzlich vermeintliche Gewissheiten wie die Unmöglichkeit einer Rückkehr von Diktatur und Faschismus, die Verurteilung von Rassismen durch breitere Gesellschaftsschichten, die Hinfälligkeit tradierter Geschlechterrollen, das Aussterben homophober Propaganda, die Marginalisierung religiöser Meinungen zu politischen Fragen et cetera. Bestritten werden die emanzipatorischen Errungenschaften von 1968ff. auf breiter Front von einer teilweise bereits parlamentarisch agierenden Opposition von Rechten, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollen: zurück in eine Zeit klar konturierter Nationalstaaten mit dazu passenden „Völkern“; zurück in ein „Europa der Vaterländer“. Diese Front, die zur größten Bedrohung des europäischen Einigungsprojektes seit seinen Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg geworden ist, verfügt trotz – oder gerade wegen – ihres Nationalismus über internationale Schlagkraft. Dass mit dem Aufschwung der Rechten auch Aussagen zur Kultur im Allgemeinen und zur Architektur im Besonderen getätigt werden, soll anhand dieser ARCH+ Ausgabe deutlich werden, die vom Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA) der Universität Stuttgart in Kooperation mit der ARCH+ erarbeitet wurde und anlässlich der Europawahl 2019 erscheint. Aber was heißt eigentlich heutzutage „rechts“? Die politische Rede von „rechts vs. links“ sei „passé“, so war und ist immer wieder zu hören in den letzten Jahrzehnten, seit eine weitgehende Neoliberalisierung sozialdemokratisch-linker und eine weitgehende Liberalisierung konservativer Positionen stattgefunden hat – mit dem Resultat, dass beide Lager mit nunmehr minimalsten Unterscheidungsmerkmalen um die „Mitte“ werben. Entsprechend schreibt bereits 1994 Norberto Bobbio (1909–2004), der italienische Philosoph, der sich selbst als „liberalen Sozialisten“ bezeichnete: „Noch nie wurde so viel gegen die herkömmliche Differenzierung zwischen Rechts und Links geschrieben wie heute: Sie wird als überholt betrachtet, als sinnlos“.1 2015 äußert sich der Münchner Soziologe Armin Nassehi in seinem Buch Die letzte Stunde der Wahrheit in vergleichbarer Weise, wenn er, der sich „weiß Gott nicht dem linken Mainstream“2 zugehörig fühlt, konstatiert: „Dass etwas rechts oder links sei, konservativ oder progressiv, enthält immer weniger Informationswerte.“3 Nassehis Einschätzung mündet in einen eher unpräzisen Aufruf zu mehr Multi-Perspektivismus, auch und gerade in der Theorie: „Beschreibungen müssen vorsichtiger werden, müssen mit Rückkopplungen rechnen, damit, dass sie selbst zum Beschriebenen dazugehören, sie müssen mitliefern, dass alles Reden nur ein Reden aus der Perspektive unterschiedlicher Perspektiven ist.“4 Zwar wird in der Tat die simplifizierende Rede von rechts und links vielen Komplexitäten der Gegenwart nicht mehr gerecht, doch käme ein labyrinthischer Multi-Perspektivismus à la Nassehi oder gar eine Komplettaufgabe der Rechts-links-Polarität einer Entpolitisierung gleich. Hierauf haben vor allem Theoretiker*innen aus dem neomarxistischen Spektrum wie Chantal Mouffe5 oder Slavoj Žižek hingewiesen. Man muss Žižeks linksreaktionäre Feminismus-, LGBTI- und Political-Correctness-Bashings aus jüngerer Zeit nicht teilen, um seinen bemerkenswerten Aufsatz „Die populistische Versuchung“ (2017) zu goutieren, in dem die tradierte Polarität von rechts und links insofern aktualisiert wird, als er sie durch die kreuzförmige Kombination zweier Achsen ersetzt: die Achse „Universalität versus patriotische Zugehörigkeit“ sowie die Achse „Kapitalismus versus linker Antikapitalismus“.6 Ich habe den Vorschlag des slowenischen Philosophen aufgegriffen und ihn in ein politisches Positionen-Diagramm überführt, das imstande ist, die zwei Aggregatzustände der Linken wie auch der Rechten darzustellen, die jeweils sowohl in eine international orientierte als auch in eine nationalistische Richtung tendieren können. In ein solches Positionenmodell können alle Politikoptionen der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit eingetragen werden: auf der linken Seite etwa die universalistische ebenso wie die globalisierungsfeindliche, patriotische, anti-kosmopolitische und manchmal auch latent oder offen antisemitische Linke; auf der rechten Seite der multikulturelle Kapitalismus ebenso wie der patriotisch-völkisch-antisemitische Antikapitalismus. Einen Bedeutungszuwachs diagnostiziert Žižek mit Blick auf Donald Trumps Kombination von Neoliberalismus und anti-neoliberaler „America-First“-Politik vor allem auf der Achse der „doppelten Rechten“ – und zieht den Schluss, „dass der globale Kapitalismus mit partikularen kulturellen Identitäten bestens koexistierten kann“7. Žižeks verdienstvolles Kreuzachsen-Modell lässt sich auch erweitern, um viele vermeintlich überraschende politische Koalitionen der letzten Jahre und Jahrzehnte zu verstehen, so die Kombination aus universalistischer Linker und multikulturellem Kapitalismus, die Nancy Fraser einmal als „Progressiven Liberalismus“8 bezeichnet hat (paradigmatisch repräsentiert etwa in der Symbiose von neoliberalen Finanzeliten und einer „kritischen“ Kunstwelt); oder auch die Kombination aus nationalistischer beziehungsweise antisemitischer Linker und nationalistischer Rechter, die gemeinhin „Querfront“ genannt wird. Es liegt auf der Hand, dass mit diesem Diagramm nicht nur ein Orientierungsmodell politischer Überzeugungen, sondern auch eine Art Weltkarte impliziter oder expliziter Architekturideologien von Architekt­*innen vorliegt. Wohlgemerkt von Architekt*innen, nicht von Architekturen. Die Rede ist also viel mehr von Sprechakten als von Bauwerken; viel mehr von Fleisch als von Stein; viel mehr von Schriften oder verbalen Bekenntnissen als von ästhetischen Indizien.9 Entsprechend ließen sich verschiedene Akteur*innen der jüngeren Vergangenheit problemlos in das von Žižek inspirierte politische Positionenmodell eintragen. Oben rechts fände sich etwa Patrik Schumacher, der Chef von Zaha Hadid Architects, der sich zum rechtslibertären Anarchokapitalisten und Brexit-Fan entwickelt hat.10 Im unteren linken Bereich könnte man die vor allem von Alexander Mitscherlichs Die Unwirtlichkeit der Städte (1965) beziehungsweise der kommunistisch geprägten Bodenreformbewegung in Bologna her argumentierenden deutschen Propagandisten des New Urbanism wie den Berliner Stadtsoziologen Harald Bodenschatz11 oder Hans Stimmann, SPD-Mitglied und ehemaliger Berliner Senatsbaudirektor12, verorten, die heute das populistische und sozial neutralisierte Geschäft identitärer Stadtraumbildung betreiben („Berlinische Architektur“, Projekt einer Rekonstruktion der Berliner Altstadt) – und dabei keine Berührungsängste mit der patriotischen Rechten an den Tag legen. Das vorliegende Heft fokussiert zum einen auf den rechten unteren Bereich des Positionenmodells, also auf die Raumproduktion und Geschichtspolitik der patriotisch-nationalistischen, teils völkischen, teils antisemitischen, teils faschistischen Rechten, so etwa im Beitrag von Andrea Röpke und Andreas Speit über „Völkische Siedler*innen“ in Deutschland. Zum anderen geht es auch um die mal bewusste, mal unbewusste Zuarbeit von willigen Helfer*innen aus anderen politischen Spektren. Im Text von Winfried Nerdinger über einige deutsche Architekturhistoriker der Gegenwart – allen voran den ehemaligen Stellvertretenden Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Wolfgang Voigt – wird klar, dass die Beförderung reaktionärer Tendenzen in der Gesellschaft keineswegs nur auf rechte Milieus beschränkt ist, sondern weit in die sogenannte „bürgerliche Mitte“ hineinreicht. Dass rechte Räume auch und vor allem literarische und mediale Räume implizieren, wird besonders in den Essays von Tina Hartmann über Anti-Genderismus und von Philipp Krüpe über reaktionäre Tendenzen in sozialen Architekturmedien deutlich. Die Heftstruktur bildet die Stationen einer Europareise entlang der „Achse Rom–Berlin“ ab, die das IGmA im Wintersemester 2018/19 unternahm. Sie führte vom besetzten Haus der neofaschistischen Partei CasaPound in Rom über Predappio (Geburtsort und Grablege Benito Mussolinis), Mailand, Braunau am Inn, München, Frankfurt am Main, das Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen, Dresden schließlich in die deutsche Hauptstadt. Entsprechend nimmt die Analyse der Verhältnisse in Italien, Österreich und Deutschland breiten Raum ein, aber „Zuschaltungen“ aus Griechenland, Spanien, den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Frankreich, der Schweiz, Ungarn, Polen, den Niederlanden, Groß­britannien, den USA und der Türkei ergänzen den Blick. Die einwöchige Exkursion stand sechs Tage lang unter dem Vorzeichen einer betriebsamen Recherche für dieses Heft: sechs „rechte Räume“ wurden in dieser Zeit identifiziert und kartiert, viele Interviews geführt, zahllose Treffen mit Expert*innen und Autor*innen standen auf der Tagesordnung. Am siebten Tag wurde klar, dass am Ende der IGmA-Recherche nicht Ruhe, sondern Aktivismus stehen muss: zum Beispiel ein Protest gegen das bis dato weitgehend übersehene Skandalon (siehe den Beitrag von Verena Hartbaum in diesem Heft), dass der Walter-Benjamin-Platz in Berlin, der 1997 bis 2000 von Hans Kollhoff geschaffen wurde, auf Initiative des Architekten von einem antisemitisch konnotierten Zitat des faschistischen Autors Ezra Pound „geschmückt“ wird (siehe auch die mit diesem Heft lancierte Posterkampagne von Studio Miessen). Ich bedanke mich herzlich beim IGmA-Team – allen voran bei Matteo Trentini und Philipp Krüpe – sowie bei allen Autor*innen und Gesprächs­partner*innen dieser Ausgabe für die fruchtbare Kooperation. Ebenso herzlich bedanke ich mich bei der ARCH+ – namentlich bei Anh-Linh Ngo, Nora Dünser, Alexandra Nehmer, Frederick Coulomb, Mirko Gatti, Dorothee Hahn, Max Kaldenhoff, Melissa Koch und Jann Wiegand – für die vertrauensvolle Zusammenarbeit an diesem Heft. Möge die ARCH+ 235 Rechte Räume zur Re-Politisierung des Architekturdiskurses ebenso wie zur Spatialisierung des Politikdiskurses beitragen. 1 Norberto Bobbio: Rechts und Links – Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung, Berlin 1994, S. 7 2 Armin Nassehi: „Email an Götz Kubitschek (3. März 2014)“, in: ders.: Die letzte Stunde der Wahrheit – Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss, Hamburg 2015, S. 302 3 Ebd., S. 12 4 Ebd., S. 15 5 Vgl. Chantal Mouffe: Über das Politische – Wider die kosmopolitische Illusion, Frankfurt am Main 2007 [2005], S. 13 6 Slavoj Žižek: „Die populistische Versuchung“, in: Heinrich Geiselberger (Hg.): Die große Regression – Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit, Berlin 2017, S. 293–313, hier S. 305 7 Ebd., S. 306 8 Nancy Fraser: „Vom Regen des progressiven Neoliberalismus in die Traufe des reaktionären Populismus“, in: Geiselberger 2017 (wie Anm. 6) 9 So wenig es eine „rechte“ oder „linke“ Architektur gibt, so wenig gibt es auch eine „faschistische“ oder „demokratische“. Vgl. Stephan Trüby: „Positioning Architecture (Theory)“, in: e-flux, 8.12.2017, www.e-flux.com/architecture/history-theory/159235/positioning-architecture-theory (Stand: 21.9.2018) 10 Vgl. „Der Anecker – Patrik Schumacher im Gespräch mit Alexander Russ“, in: Baumeister, 26.6. 2017, www.baumeister.de/der-anecker (Stand: 1.9.2017) 11 Vgl. Harald Bodenschatz: „Braucht Berlin eine neue Altstadt?“, in: Tagesspiegel, 9.10.2018, www.tagesspiegel.de/kultur/beispiel-frankfurt-braucht-berlin-eine-
neue-altstadt/23148936.html (Stand: 20.4.2019) 12 Vgl. Hans Stimmann: Berliner Altstadt – Neue Orte und Plätze rund um das Schloss, Berlin 2014
Aktualisiert: 2019-11-19
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Datatopia

Datatopia
Wir erleben momentan die Entstehung von Gesellschaftsformationen, Denkweisen und Lebensarten, die ohne den Computer nicht fassbar wären. Datenbasierte Prozesse, in denen alles – von Orten, Objekten, Formen, Oberflächen, Materialien und Körpern – kodiert, transkodiert und rekodiert wird, münden in einer Datengesellschaft, die nicht mehr auf tradiertem Wissen basiert, sondern in der das Sammeln, die Interpretation und Nutzbarmachung von Daten die Grundlage des Gesellschaftlichen bilden. Wie wird sich unsere Lebenswelt verändern, wenn unser materielles und kognitives Handeln immer mehr von Automatisierung und künstlicher Intelligenz übernommen wird? Mit dem mehrjährigen projekt bauhaus haben wir die Ideen des Bauhauses einer grundlegenden Revision unterzogen. In diesem Zuge sind nicht weniger als drei ARCH+ Ausgaben entstanden. Fragte die erste von ihnen Kann Gestaltung Gesellschaft verändern?, bestimmte die zweite unter dem Titel Architekturen der Globalisierung einen neuralgischen Punkt zwischen Globalisierung und lokaler Selbstbestimmung als Schauplatz der Architektur von heute. Abschließend diskutiert nun das vorliegende Heft Datatopia eine höchst dringliche Problematik: Stellt die umfassende Datafizierung unserer Gesellschaften die althergebrachten kulturellen und politischen, ökonomischen und ökologischen Systeme grundsätzlich infrage? Als wir vor vier Jahren mit dem Projekt begannen, schrieben wir: „Die Expansion der Gestaltung in alle Lebens- und Weltbereiche, von den Landschaften, Straßen und Städten bis hin zu den Arbeitsplätzen, der Wohnung und tiefer hinein in die Personen und ihre Beziehungen, in Nanostrukturen und Genome ist gegenwärtige Realität. Vor dem Hintergrund dieser Ästhetisierungen und Subjektivierungen von Herrschaft wäre im allgegenwärtigen Überfluss von Gestaltung möglicherweise deren Abwesenheit ein befreiendes Moment.“ Wäre Abwesenheit von Gestaltung tatsächlich befreiend? Solange unter Gestaltung lediglich Ästhetisierung verstanden wird, hat die These sicherlich ihre Berechtigung. Doch was wäre, wenn Gestaltung mehr umfasste? Was, wenn wir eine Kritik der Gegenwart, deren Komplexität wir ohne Technologie nicht mehr verstehen können, nur mithilfe von Gestaltung formulieren könnten?
Aktualisiert: 2020-07-18
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Norm-Architektur – Von Durand zu BIM

Norm-Architektur – Von Durand zu BIM
Wir alle beklagen heute eine Überfülle restriktiver Normen. Es scheint also an der Zeit, der Norm-Architektur eine Ausgabe der ARCH+ zu widmen. Dieses Heft behandelt die Rolle der Norm in der Architektur, und dies in mehrfachem Sinn: als Prozess der technischen Normung, als disziplinäre Normierung und als biopolitische Normalisierung. Dieser Dreischritt zeigt, dass die Debatte um die Norm keineswegs nur eine technische Dimension hat, sondern vielmehr eine fundamental gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Genau so argumentiert in diesem Heft Maria Muhle, wenn sie Michel Foucaults „soziale“ Deutung der Norm in den Blick nimmt. Foucault kommt im Diskurs um die Norm eine zentrale Rolle zu, war er es doch, der ihr Verständnis gewissermaßen vom Kopf auf die Füße gestellt hat: Im Gefolge des Wissenschaftsphilosophen Georges Canguilhem konstatierte er, dass die Norm nicht dadurch wirke, dass sie auf eine bereits vorhandene Realität einwirke, sondern diese zunächst selbst erzeugen müsse. Nur so lässt sich ein wesentliches Charakteristikum der Norm, ihr expansiv-ausufernder Wirkmechanismus, richtig verstehen. Wir kommen den Normen und den durch sie geschaffenen Problemen, wie sie bei Großprojekten wie dem Flughafen BER zu beobachten sind, also nicht bei, indem wir versuchen, ihre Zahl zu verringern oder sie gar abzuschaffen. Vielmehr müssen wir die Konflikte, die Normen zu regeln vorgeben, in den Fokus nehmen, seien sie technischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder politischer Natur. Nur so können wir die Architektur der Norm verstehen und produktiv mit ihr umgehen. Dazu leistet diese Ausgabe, die in Zusammenarbeit von ARCH+ mit dem Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel entstanden ist, einen maßgeblichen Beitrag.
Aktualisiert: 2020-10-05
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Weitere Verlage neben Arch+

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Wie die oben genannten Verlage legt auch Arch+ besonderes Augenmerk auf die inhaltliche Qualität der Veröffentlichungen. Für die Nutzer von buch-findr.de: Sie sind Leseratte oder Erstleser? Benötigen ein Sprachbuch oder möchten die Gedanken bei einem Roman schweifen lassen? Sie sind musikinteressiert oder suchen ein Kinderbuch? Viele Verlage mit ihren breit aufgestellten Sortimenten bieten für alle Lese- und Hör-Gelegenheiten das richtige Werk. Sie finden neben