Meisterwerke der russischen Literatur

Wenn auch die meisten Literaturfreunde sich schwertun, mehr als nur ein, zwei zeitgenössische russische Schriftsteller namentlich zu nennen, die literarischen Schwergewichte des 19. Jahrhunderts sind weltweit ein Begriff geblieben. Auch die Filmwelt beschäftigt sich immer wieder mit den Meisterwerken aus dem Osten.
Tolstois Epos „Krieg und Frieden“, das sich mit Napoleons Eroberungsfeldzügen, die auch vor Russland nicht Halt machten, und mit den Folgen für das Zarenreich – im Besonderen die Adelsfamilie Rostow – beschäftigt, war in der Sowjetunion das meistgelesene Buch mit 360 Millionen Kopien. Auf die Hollywoodverfilmung von 1956 mit Audrey Hepburn und Yul Brunner folgten Verfilmungen und Fernsehserien von sowjetischen Filmemachern bis zu BBC und ZDF.
Unsterblich ist auch Tolstois Liebesdrama „Anna Karenina“, in dem sich eine unglücklich verheiratete Frau in einen Soldaten verliebt und für ihre Leidenschaft Familie und Ehre schließlich ihr Leben opfert.
Wie Tolstoi beschäftigte sich der ihm an Ruhm noch heute ebenbürtige Fjodor Dostojewski mit Fragen über Philosophie, Moral und der Debatte zwischen Eigenverantwortung und göttlicher Vorherbestimmung. Der epileptische Schriftsteller, der aufgrund seiner politischen Neigung zum Sozialismus für vier Jahre in ein Straflager geschickt wurde, hielt zeitlebens an der Idee eines vom Christentum beeinflussten Sozialismus fest. Mit seinem letzten, 1879 veröffentlichten Werk „Die Brüder Karamasow“ definierte er das Genre des Kriminalromans neu, indem er die Suche nach dem Schuldigen am Tod des alten Karamasow zu einer psychologischen Meisterstudie machte. Sigmund Freud erklärte „Die Brüder Karamasow“ zum großartigsten Roman, der je geschrieben wurde.
In dem 1866 erschienenen Roman „Der Spieler“, den Dostojewski aufgrund eines Knebelvertrages binnen weniger Wochen schreiben musste, erliegt der Titelheld dem verführerischen Reiz des Glücksspiels – ein Buch, das aufgrund seiner Thematik noch heute aktuell ist, auch wenn in Spielbanken wie Baden-Baden, wo Dostojewski häufiger Gast war, und in Online Casinos trotz der vielen Angebote strikt auf Warnsignale bei den Kunden geachtet wird. Der Roman brachte dem Schriftsteller Glück. Die junge Stenotypistin, die ihm half, den Roman rechtzeitig abzuliefern, wurde seine Ehefrau, Managerin und Verlegerin.
Als Dostojewskis populärstes Meisterwerk gilt das 1867 in Buchform herausgebrachte „Schuld und Sühne“, in dem ein Student eine Geldverleiherin ermordet, um sich selbst finanziell zu sanieren, im Straflager aber durch die Liebe zu einer Frau zu seinem ethischen Selbst zurückfindet.
Anton Tschechow ist vor allem für seine um die Jahrhundertwende entstandenen Kurzgeschichten, Novellen und Theaterstücke bekannt. „Der Kirschgarten“, „Die Möwe“, „Onkel Vanya“ und „Drei Schwestern“ gehören seitdem zu den meist gespielten Klassikern auf den Bühnen der Welt.
Zum modernen Kultklassiker weit über Russlands Grenzen hat sich Michail Bulgakow mit seinem Roman „Der Meister und Margarita“ entwickelt. Dabei konnte der Schriftsteller, dessen Werke von Stalin zumeist verboten wurden, seinen Erfolg nicht mehr erleben. Der Roman, der Satire, Philosophie, Romantik und Action verbindet, erschien 1966 – 26 Jahre nach Bulgakows Tod. Moskau wird von Satan und seinem Gefolge heimgesucht. Unter einem Pseudonym sagt er Leuten den Tod voraus, lässt sie verschwinden oder hypnotisiert sie. Gekommen ist er auf der Suche nach seiner Ballkönigin, Margarita. Der Meister ist ein im Irrenhaus gelandeter Schriftsteller… Russische Romane haben es in sich.