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Untersuchungen zum Übertragungsweg des Parrot Bornavirus 4 am Beispiel des Nymphensittichs (Nymphicus hollandicus) von Heckmann,  Julia

Untersuchungen zum Übertragungsweg des Parrot Bornavirus 4 am Beispiel des Nymphensittichs (Nymphicus hollandicus)

Aviäre Bornaviren können neben Psittaziden auch andere Vögel wie Kanarien und Wassergeflügel infizieren. Bei Papageien kann es durch das Parrot Bornavirus (PaBV) neben gastrointestinalen Erkrankungen, wie der Psittazinen Drüsenmagendilatation (PDD), auch zu neurologischen Symptomen kommen. PaBV stellt ein weltweites Problem dar, besonders in größeren Zuchtbetrieben oder bei der Erhaltung von bedrohten Arten. Die fäkooronasale Übertragung wurde bislang als natürliche Infektionsroute aviärer Bornaviren vermutet, konnte jedoch bisher nicht belegt werden.

Mit dieser Arbeit sollten die orale und nasale Infektionsroute, sowie die Übertragung über Schleimhaut- und Hautwunden als mögliche Infektionswege des Parrot Bornavirus am Beispiel des Nymphensittichs (Nymphicus hollandicus) als Modelltier untersucht werden.
Dazu wurden spezifisch pathogenfreie (SPF), subadulte Nymphensittiche oral (n = 9), nasal (n = 9), über eine Läsion am Gaumendach (n = 9), bzw. eine Läsion am linken Fußballen (n = 3) mit einem PaBV-4-Isolat mit einem Titer von 103 TCID50, (bzw. 104 TCID50 bei der Fußballen-Gruppe) inokuliert. Eine Mock-Gruppe (n = 2) wurde mit virusfreier Zell-
suspension ebenfalls über eine Gaumenläsion inokuliert und fungierte als Kontrollgruppe. Der Gesundheitszustand aller Tiere wurde über einen Zeitraum von 173/174 Tagen (orale und nasale Gruppe), bzw. 184 Tagen (Gaumendach-Gruppe) und 209 Tagen (Fußballen-Gruppe) beobachtet. Wöchentliche Kropf- und Kloakentupfer sowie Blutproben wurden
untersucht, um eine mögliche PaBV-RNA-Ausscheidung mittels Realtime-RT-PCR und das Auftreten von spezifischen Antikörpern gegen PaBV mittels indirektem Immunfluoreszenztest (iIFT) zu detektieren.
Beim Auftreten von mittelgradigen Krankheitssymptomen bzw. am Versuchsende wurden alle Nymphensittiche euthanasiert und ihre Organe mittels Realtime-RT-PCR auf PaBV-RNA, sowie mittels Histologie auf lymphoplasmazelluläre Infiltrate als Hinweis auf eine PDD und mittels Immunhistochemie auf virales Antigen (p24) untersucht. Eine Virusreisolierung erfolgte aus Gehirn- und Kropfmaterial eines jeden Tieres. Sekundärkrankheiten wie bakterielle Infektionen oder Mykosen des Magen-Darm-Traktes wurden ausgeschlossen.
Innerhalb der oralen und nasalen Gruppen kam es bei 8/18 Tieren zu unspezifischen Symptomen und insgesamt vier Verlusten vor Ende der Versuchszeit, was eventuell auf ein Problem mit dem Filtersystem der Isolatoren und Begleitinfektionen zurückzuführen war.
Bei fünf Tieren der oralen und bei drei der nasalen Gruppe wurde zu Beginn des Versuchs bis zum Tag 34 pi PaBV-RNA in den Tupferproben nachgewiesen. Allerdings wurde in keiner Tupferprobe eines späteren Zeitpunktes innerhalb der oralen und nasalen Gruppe, sowie in keiner Tupferprobe der Gaumendach- und Mock-Gruppe PaBV-RNA nachgewiesen. Ebenso wurde keine PaBV-RNA und kein Virusantigen in den Organen dieser Versuchsgruppen detektiert, weshalb eine produktive Infektion ausgeschlossen werden konnte.
Lediglich bei der Fußballen-Gruppe konnten niedrige PaBV-RNA-Gehalte in den Nn. ischiadici, Darm und Haut, sowie in der Histologie PDD-typische Infiltrate in der Haut von zwei Tieren nachgewiesen werden. Mittels Immunhistochemie wurde in dieser Gruppe das virale Antigen p24 bei allen drei Tieren im Rückenmark bzw. in Spinalganglien sowie in den Nn. ischiadici und in der Haut nachgewiesen. Die schwach positiven Realtime-RT-PCR-Ergebnisse wurden mittels Sequenzierung als PaBV-4 bestätigt, was die erfolgreiche Infektion über diese Route belegt. Bei keinem Versuchstier kam es zu einer Serokonversion oder zu einer PaBV-RNA-Ausscheidung. Auch war bei keinem Tier eine Virusreisolierung erfolgreich. Die Ergebnisse der Fußballen-Gruppe sprechen für eine erfolgreiche Infektion und Verteilung des Parrot Bornavirus im Wirtsorganismus über retrograden, axonalen Transport.

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass eine nasale oder orale Aufnahme von 103 TCID50 des PaBV Stammes Ps34 im Versuch nicht als relevante Übertragungsroute fungiert, was sich mit Beobachtungen betroffener Bestände und anderen Infektionsversuchen deckt. Anhand der Ergebnisse der Fußballen-Gruppe wurde belegt, dass Hautläsionen mit Zugang zu Nervenfasern als Eintrittspforte für PaBV dienen können. Es zeigen sich Über-einstimmungen im Übertragungsverhalten zum Mammalian 1 bornavirus und dem Toll-wutvirus, welche beide zu derselben Ordnung der Mononegavirales zählen.
Die Übertragung von PaBV scheint an invasive Routen gebunden zu sein. Diese Daten könnten genutzt werden, um sinnvolle Sanierungs- und Prophylaxe-Maßnahmen von be-troffenen Zuchtbeständen bedrohter Papageienarten zu etablieren.

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