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„Sie spielte wie im Rausch“ von Overhage,  Ursula

„Sie spielte wie im Rausch“

Die Schauspielerin Maria Orska

Eine der begabtesten deutschen Schauspielerinnen des 20. Jahrhunderts

In der Nacht zum 16. Mai 1930 nimmt das Leben einer außergewöhnlichen Künstlerin ein tragisches Ende: Maria Orska, Stummfilmstar und gefeierte Schauspielerin an Berliner und Wiener Bühnen, die auch durch ihre Affären und Eskapaden stets für Schlagzeilen in der Presse gesorgt hat, stirbt in ihrer Wiener Wohnung.
1893 wird sie als Effi Rahel Blindermann in eine großbürgerliche russisch-jüdische Familie in Odessa hineingeboren. Sie führt ein privilegiertes Leben im Zarenreich, doch sie will etwas anderes. Ihr Onkel, ein international vernetzter Theateragent, sieht früh ihre Spielfreude, ihren Witz, ihre Fantasie und Unabhängigkeit. Mit 16 Jahren wird sie in St. Petersburg vom Leiter der Schauspielschule des Wiener Burgtheaters entdeckt und in die beginnende Schauspielklasse der Wiener Burg aufgenommen.
das exzessive Leben des Theater- und Stummfilmstarsfür alle Leser außergewöhnlicher, dramatischer Lebensgeschichtendie Wiederentdeckung einer betörenden SchauspielerinSie war DIE Lulu!packend erzählte Romanbiografie

Der Ruhm und seine Schattenseiten

Eine einzigartige Karriere beginnt: Sie wird zum Publikumsmagneten in der modernen Kulturszene der goldenen Zwanzigerjahre; am Theater in Wien, Mannheim, Hamburg und schließlich in Berlin spielt sie wie „im Rausch“, wie ihr Alfred Kerr attestiert. Die Besprechungen sind hymnisch – vielleicht auch, weil sie die mutigen, anrüchigen Rollen der jungen Autoren verkörpert. Sie ist die Salome in Oscar Wildes Stück, der Erdgeist Lulu von Frank Wedekind, sie spielt die starken Frauencharaktere Strindbergs.
Sie wird für den Stummfilm entdeckt, ihre erotische Ausstrahlung zieht Zuschauer, Kritiker, Regisseure und Dichter in den Bann. Mit den anderen großen Schauspielerinnen der Weimarer Republik, Tilly Wedekind, Tilla Duriex und Gertrud Eysoldt, liefert sie sich Konkurrenzkämpfe.
Maria Orskas Fotos schmücken auch die Berliner Illustrierten, sie ist Teil der High Society, ist beim Pferderennen im Grunewald und zur Sommerfrische auf Usedom.
Doch dieses Leben hat eine Schattenseite: Sie nimmt Kokain, um wach zu werden, und Morphium, um schlafen zu können. 1930 stirbt sie mit nur 37 Jahren an einer Überdosis Veronal. Selbstmord oder Versehen?

Ein vergessener Schauspielstar

Der letzte Akt ihres Dramas findet nach ihrem Tod statt: Im September 1930 werden in ihrer Wohnung in Wien Kunstgegenstände und Mobiliar versteigert, ihre persönlichen und beruflichen Dokumente vernichtet. Drei Jahre später kommen die Nationalsozialisten an die Macht, niemand hat mehr ein Interesse daran, die Erinnerung an eine freie, moderne, jüdische Frau wachzuhalten. Es folgt der Weltkrieg, Maria Orska ist vergessen.
Ursula Overhages intensiv recherchiertes Buch macht die Geschichte dieser Ausnahmeschauspielerin wieder lebendig.

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