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Revolver Christi von Albinus,  Anna, Eftekhari,  Omid-Paul, Walz,  Tina

Revolver Christi

„Kommen Sie“, sagte er und führte mich in die Kirche. Er benötige noch etwas aus der Sakristei für die Vorbereitung der Messe, behauptete er, aber er nahm nur mit mir in einer Bank Platz, von der aus man den Revolver in der gedämpft beleuchteten Vitrine gut betrachten konnte. „Glauben Sie“, fragte ich, „dass die Leute aus Sensationsgier zur Wallfahrt kommen?“ Mit solchen Motiven müsse man rechnen, sagte er.

Im Sommer 2018 zieht die alle zehn Jahre stattfindende Wallfahrt zum Revolver Christi so viele Besucher an wie nie zuvor. Ausgestellt ist neben der Reliquie in der Kathedrale auch eine der drei erhaltenen Ikonen des Christus an der Waffe. 110 Jahre nach dem Tod eines Elektrikerlehrlings, den man mit einem Kopfschuss aus dem Revolver Christi getötet auf den Stufen des Chorraums auffand, fällt in der Kathedrale erneut ein Schuss …
Anna Albinus nimmt in ihrem klassischen, eleganten Erzählton unmerklich Anlauf, als wäre nichts, und unversehens findet man sich in einer anderen Welt. Und wie selbstverständlich streift sie dabei allerlei ernsten Stoff: das Spektakel als Angebot der Kirchen; die Inszenierung des Musealen; das Existentielle im Glauben mancher, die glauben wollen; und last not least die Zerreißprobe zwischen Gewalt und Glauben. Oder vielleicht ist das alles nicht so gemeint …?

Gewinner Österreichischer Buchpreis Kategorie: Debüt
DEBÜTPREIS 2021 – AUF DER HOTLIST ’21

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