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Mussolinis Wandlung zum Interventionismus von Pappenheim,  Hans Eugen, Porcelli,  Micaela, Rodewill,  Rengha

Mussolinis Wandlung zum Interventionismus

AVANTI!

Leben und Werk Benito Mussolinis sind in einer umfangreichen Literatur beschrieben worden, doch die entscheidenden zehn Monate seines Lebens, vom 28. Juni bis zum 24. Mai 1915, haben 1935 noch keine zusammenhängende Darstellung gefunden. Eine solche musste auch Fragment bleiben, da zum Zeitpunkt dieser Publikation die Bände des »Avanti!«, die Zeitung der Sozialistischen Partei Italiens (PSI), mit einer lückenlosen Übersicht der Artikel aus Mussolinis sozialistischer Zeit in Deutschland fehlen und die Benutzung, der in Italien noch vorhandenen nicht möglich war.
Der noch nicht Dreißigjährige gelangte an die Spitze des ganzen italienischen Sozialismus. Die Zeitung »Avanti« und die gesamte Bewegung bekamen deutlich eine extreme Dichtung. Typisch war Mussolinis Anfang: »In dem Blatt, das ich redigiere, kann nur einer die Leitartikel schreiben – und der bin ich. Ein Blatt kann nur von einem Menschen und einer Idee geleitet werden. Ich bin nicht gekommen, um mir die Führung aus der Hand nehmen zu lassen.« Und schon stieg die Auflage des »Avanti!«
Viele Frauen haben von jungen Jahren an Mussolinis Leben begleitet und bestimmt – auch wenn er das naturgemäß anders sah. Die Jüdin Angelica Balabanoff beschreibt einen Mann, der Angst vor Hunden hatte, Angst vor Ärzten, Angst vor Friedhöfen und Angst davor, im Dunkeln alleine auf die Straße zu gehen. Von 1912 bis 1917 gehörte Balabanoff der Führung der Sozialistischen Partei an und trat Ende 1912 zusammen mit Benito Mussolini in die Leitung der Zeitung der PSI Avanti! ein. Sie war die erste der beiden intellektuellen jüdischen Liebhaberinnen des zukünftigen Duce; die zweite Margherita Sarfatti, genannt »die Rote Jungfrau«. Clara ›Claretta‹ Petacci, die bedingungslos an seiner Seite blieb und mit ihm am 28. April 1945 von kommunistischen Partisanen in Giulino di Mezzegra am Comer See hingerichtet wurde – flehte er an: »Sag mir, dass ich noch jung bin, dass ich nicht fünfundfünfzig Jahre alt bin, dass ich stark bin. Ich will nicht sterben.« Nicht zu vergessen sei seine Ehefrau Rachele Guidi, von ihr ist zu berichten, dass sie Ihrem alkoholfreudigen und dann randalierenden Mann unmissverständlich klarmachte: »Ich werde niemals einen Alkoholiker als Mann akzeptieren. Als ich klein war, hatte ich eine Tante, die trank, ich habe bereits genug gelitten. Ich weiß, dass du große Qualitäten hast, und ich bin bereit, dir die Frauen zu vergeben, aber kommst du noch einmal so nach Hause, schwöre ich, dich zu töten.«
Mussolini trank danach nur noch kontrolliert.

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