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Lebenswelt Villgraten von Perfler,  Robert

Lebenswelt Villgraten

in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der Kunstmaler Ernst Schrom sowie die Schriftstellerin und Ethnologin Maria Lang-Reitstätter besuchten in den 30er Jahren des 20. Jhdts. unabhängig voneinander über viele Sommer das Villgratental und hinterließen ein mittlerweile teils vergessenes, teils in alle Himmelsrichtungen verstreutes Oevre an künstlerischen und literarisch-ethnologischen Dokumenten des soziokulturellen Universums der 30er Jahre dieses Hochtales.

Durch die glückliche Fügung zahlreicher Neuentdeckungen von Werken sowohl der künstlerischen Hinterlassenschaft des Malers Ernst Schrom als auch der Schriftstellerin und Volkskundlerin Maria Lang-Reitstätter nehmen die Herausgeber die einzigartige Möglichkeit einer zeithistorischen Synthese von Literatur und Malerei, eines Zusammenspiels volkskundlicher literarischer Beschreibungen und künstlerisch-malerischen Entsprechungen in Form eines Text-Bildbandes wahr.

Im Rahmen der Arbeiten konnte weiters mit dem Biologen und wissenschaftlichen Illustrator Mag. Alois Wilfling einen Experten gewonnen werden, der erstmalig die detailgetreuen botanischen Studien Schroms einer fachkundigen Bewertung unterzog und uns diese in Form einer Publikation zur Verfügung stellte.

Das von Ernst Schrom und Maria Lang-Reitstätter dokumentierte soziale Universum der heute weitgehend verschwundenen vorindustriellen bäuerlichen Welt zeigt einen durch Seh- und Gehweite begrenzten Lebensraum. Der Hof bildete für die bäuerliche Familie Lebensinhalt und Horizont zugleich – ein Kontrapunkt zum globalisierten Dorf in unserer Gegenwart.

Der Terminus „Lebenswelt“ als zentraler Begriff der Phänomenologie Edmund Husserls als „die menschliche Welt in ihrer vorwissenschaftlichen Selbstverständlichkeit und Erfahrbarkeit in Abgrenzung zur theoretisch bestimmten wissenschaftlichen Weltsicht“ wird zum Leitgedanken und Titel dieser Publikation.

Zum Zeitpunkt ihrer künstlerischen und literarischen Tätigkeit hatten die Werke kaum eine über das ortskundliche hinausgehende Aussagekraft. Heute, über acht Jahrzehnte später, gewinnen sie zunehmend an kulturwissenschaftlichen Bedeutung und gelten als wichtige zeithistorische Dokumente.

Die umfangreiche Sammlung vieler bekannter Villgrater Malereien Ernst Schroms, eine Monographie aller über Villgraten verfassten Abhandlungen Maria Lang-Reitstätters und etliche gemalte Eindrücke ihres Mannes, dem Ethnologen Karl Lang, sind Zeugnisse der kulturellen Verbindung dieser Persönlichkeiten zum Villgratental.

Eine kritische biographische Betrachtung und Aufarbeitung der Persönlichkeiten sowie darüber hinaus gehende ethnologische und philologische Anmerkungen und Betrachtungen runden das Gesamtwerk ab.

Die aktuellen globalen Entwicklungen, soziokulturellen und (land-)wirtschaftlichen Verwerfungen sowie nicht zuletzt rezente Pandemien, aber auch schon zuvor bestehende gesellschaftlich Strömungen machen die beschriebene bäuerliche Subsistenzwirtschaft, regionale wirtschaftliche Kreisläufe, nachhaltige kleinräumige soziale Strukturen des Zusammenhalts und der Nachbarschaftshilfe aktueller denn je und nun gar für viele Menschen gerade auch in der aktuellen Situation nachahmenswert.

Das knapp 300 Seiten und 250 Abbildungen umfassende versehene Werk wurde auf non-profit Basis erstellt und durch finanzielle Unterstützung der Kulturabteilung des Landes Tirol, der Gemeinde Außervillgraten, dem Tourismusverband Osttirol, der Stadtgemeinde Lienz sowie zahlreicher lokaler Unternehmen mitermöglicht.

Den Herausgebern konnte die langjährige Arbeit an diesen Themen ungeahnte Einblicke gewähren und bisher unbekannte Zusammenhänge erschließen; viele inspirierende Details konnten uns motivieren, überraschen und erfreuen.
Wir hoffen, dass dieses Buch auch dem Leser einen vertieften Einblick in die Lebenswelt Villgratens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglichen wird!

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