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HERZ_NICHTHERZ von Hartwig,  Helmut

HERZ_NICHTHERZ

Zur verlorenen Erotik des Herzzeichens

Das Herzzeichen ist drauf und dran, das 27. Zeichen des Alphabets zu
werden. Es bekommt den Wert eines Buchstaben und bringt es zu einer
ansehnlichen Mächtigkeit. Gleichzeitig vermehrt es sich auf eine unerhört
rasante Weise.

Die Vermehrung der Herzzeichen im öffentlichen Raum geht einher mit
der Anbindung an eine neu entstehende normgebende Bilder-Schrift
mit dem Namen Emoji – einem Nachkommen der Gattung Smiley. In ihr
sammelt sich, was vergesellschaftet werden soll: Gefühle und Gesten und
Ansagen und Wörter und Buchstaben und Notzeichen – also die Entstehung
einer (Bilder-)Schrift für die digital geprägte Kommunikation.

Heute gibt es kaum eine Gefühlslage, eine Mimik oder Gestik, die nicht
dargestellt werden kann. Sie gelangt in das Paralleluniversum einer vordrängenden
Zweitwährung und wird maßgebend für den Umgang mit
der alltäglichen (Er-)Lebenswelt.

DAS HERZ WIRD GRÜN
Auf dem Weg in die (Über-)Ordnung öffnet sich das Zeichen für die
Konkurrenz zur Wortsprache – und nimmt mit der Öffnung jede Arbeit
an: die Arbeit des Wissens, Arbeiten der Verweigerung, die Arbeiten des
Unterscheidens, Arbeiten des rechten Verhaltens, die Arbeit der Liebe,
die Arbeiten der Bezeichnung usw.
Dabei bedrängt das Zeichen die Kontexte vom Innen und Außen:
Es setzt sich auf den Blick.
Es bedrückt die Nachbarwörter.
Es löscht die Farben der Buchstaben.

Das Herz wird GRÜN.

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