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50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika von Alber,  Erdmute, Asche,  Helmut, Beck,  Rose Marie, Behrends,  Andrea, Bierschenk,  Thomas, Brandstetter,  Anna-Maria, Dorsch,  Hauke, Fricke,  Christine, Grätz,  Tilo, Häberlein,  Tabea, Hahn,  Hans Peter, Kastenholz,  Raimund, Kilian,  Cassis, Krings,  Matthias, Langewiesche,  Kathrin, Lentz,  Carola, Loimeier,  Roman, Lopes,  Carlos, Martin,  Jeannett, Meyns,  Peter, Nganang,  Patrice, Nugent,  Paul, Oed,  Anja, Pauli,  Julia, Rauch,  Theo, Rompel,  Dörte, Ruppert,  Uta, Schäfer,  Georg, Spies,  Eva

50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika

Kontinuitäten – Brüche – Perspektiven

„Our country is an ‘abiku’ country. Like the spirit-child, it keeps coming and going. One day it will decide to remain. It will become strong.“ (Ben Okri, nigerianischer Schriftsteller, 1991)

Um das Jahr 2010 haben viele Staaten Afrikas südlich der Sahara ein halbes Jahrhundert politischer Unabhängigkeit gefeiert. Die Festlichkeiten waren ein Anlass, zu diskutieren, wie „unabhängig“ Afrika eigentlich ist und wie es kommt, dass die politisch unabhängigen Staaten sich seit fünf Jahrzehnten so schwer damit tun, „stark“ zu werden.

Vor diesem Hintergrund ziehen die dreiundzwanzig Beiträge des Buchs eine Bilanz der letzten fünfzig Jahre und formulieren Ausblicke auf die zukünftigen Herausforderungen des Kontinents. Aus unterschiedlichen Fachperspektiven (von den Kultur-, über die Sprach- bis hin zu den Wirtschaftswissenschaften) legen renommierte deutsche und afrikanische Autorinnen und Autoren dar, wie umfassend sich der Kontinent in den letzten fünfzig Jahren verändert hat, nicht nur auf politischem und wirtschaftlichem, sondern vor allem auch auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet. Beiträge zu Religion, Medien, Stadt, Film, Literatur, Musik, Wirtschaft oder Politik zeichnen die Transformationsprozesse der letzten Jahrzehnte nach und präsentieren eine vielfältige und vielschichtige afrikanische Gegenwart.

Die Aufsätze machen aber auch die Langlebigkeit kolonialer ökonomischer und politischer Strukturen deutlich, die zunehmend in Widerspruch zu den gesellschaftlichen und kulturellen Dynamiken geraten. Es sind vor allem junge Kulturschaffende, Akademiker und religiöse Gruppen, die heute neue Wege zur Unabhängigkeit erproben, indem sie sich von Entwicklungsdefinitionen und politischen Modellen des Globalen Nordens und der eigenen Eliten lösen und so nach „diskursiver Souveränität“ (Patrice Nganang) streben.

In diesen gesellschaftlichen und kulturellen Trends liegt vielleicht das größte Entwicklungspotential Afrikas. Die Herausforderung besteht darin, es produktiv zu nutzen, so dass sich das afrikanische „abiku spirit child“ dafür entscheidet, auf Dauer zu bleiben.

INHALT

Thomas Bierschenk / Eva Spies:
Afrika seit 1960 – Kontinuitäten, Brüche, Perspektiven

GESELLSCHAFTLICHE TRENDS

Hans Peter Hahn:
Zur Dynamik urbaner Lebenswelten in Afrika

Rose Marie Beck:
Stadtsprachen in Afrika

Katrin Langewiesche:
Zwischen Afrika und Europa – Aspekte des Christentums in Afrika nach den Unabhängigkeiten

Roman Loimeier:
Die Muslime in Afrika zwischen kolonialem Erbe und Nationalstaat

Erdmute Alber / Tabea Häberlein / Jeannett Martin:
Verwandtschaft in Afrika – Transformationsprozesse im 20. Jahrhundert

Thomas Bierschenk:
Schulische Bildung in Afrika – Privates Gut, öffentliches Gut, globales Gut?

NATION UND NATIONENBILDUNG

Carola Lentz:
Die Nation feiern, die Nation debattieren – Fünfzig Jahre Unabhängigkeit und Nationenbildung in Afrika

Christine Fricke:
Nation und Nationalismus in Afrika – Prozesse und Perspektiven

Paul Nugent:
Haben Nationen einen Magen? Essen, Trinken und vorgestellte Gemeinschaften in Afrika

POLITISCHE ÖKONOMIE

Peter Meyns:
Fünfzig Jahre politische Unabhängigkeit in Afrika – Versuch einer Bilanz

Andrea Behrends / Julia Pauli
Zwischen Charisma und Korruption – Kontinuitäten und Brüche in der Auseinandersetzung mit Eliten in Afrika

Thomas Bierschenk:
Staaten in Arbeit, und arbeitende Staaten in Afrika – Sedimentierungen, Fragmentierung und normative Dilemmata

Uta Ruppert / Dörte Rompel:
Geschlechterpolitik im Wandel – Frauen machen Staat in Afrika

Helmut Asche:
Die Wirtschaft Afrikas seit 1960

Theo Rauch:
Transformation mit Kontinuität – Afrikas Kleinbauern im fortwährenden Spagat zwischen Subsistenz und Märkten

MEDIEN, KUNST UND POPULÄRKULTUR

Tilo Grätz:
Aufbruch, Propaganda, Liberalisierung – Medienumbrüche und Medienaneignung in Afrika

Anja Oed:
„We were ready for big and beautiful things“ – Afrikanische Literatur seit der Unabhängigkeit

Cassis Kilian:
Flimmernde Utopien – 50 Jahre afrikanischer Film

Hauke Dorsch:
Vom „Indépendance Cha Cha“ zu „Quitte Le Pouvoir“ – Afrikanische Popmusik seit der Unabhängigkeitsära

PERSPEKTIVEN UND HERAUSFORDERUNGEN

Georg Schäfer:
Afrikas Perspektiven in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise

Carlos Lopes:
Neue Brüche, alte Wunden – Afrika und die Erneuerung der South Agency

Patrice Nganang:
Was heißt (schon) Unabhängigkeit? Autobiographie eines Konzeptes

Über die Herausgeber:

Dr. Thomas Bierschenk ist Professor für Kulturen und Gesellschaften Afrikas am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Veröffentlichungen behandeln ein breites Themenspektrum zu Staat, Politik und Entwicklung in den frankophonen Ländern West- und Zentralafrikas.

Dr. Eva Spies ist seit Mai 2014 Juniorprofessorin für Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Afrika an der Universität Bayreuth. Von Januar 2006 bis April 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie und Afrikastudien an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

In unserem Programm sind weitere Studien zur Nationenbildung in afrikanischen Staaten erschienen:

„The Lion and his Pride – The Politics of Commemoration in Cameroon“, ISBN 978-3-89645-838-4.
„Vom Reichtum eines armen Landes – Nationalfeiern und Nationenbildung in Burkina Faso“, ISBN 978-3-89645-840-7.

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Produktinformationen

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