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Eine rumänisch-jüdische Familiengeschichte

Eine rumänisch-jüdische Familiengeschichte von Bessler,  Isiu, Bessler,  Sandford, Wiehn,  Erhard Roy
Aus dem Vorwort des Herausgebers: Aus der Bukowina durch Transnistrien und den rumänischen Kommunismus nach Israel … Isiu Bessler beschreibt in seiner rumänisch-jüdischen Familiengeschichte ausführlich die große Verwandtschaft und ihr Leben, sehr detailliert die nächste Vater- und Mutterseite, aber auch die seiner Frau Nella, das Leben der jüdischen Durchschnittsbevölkerung vor allem von Handwerkern in einer rumänischen Kleinstadt vor dem Zweiten Weltkrieg und viele Einzelschicksale während der Holocaust-Schoáh und danach. Zu Hause wurde Deutsch gesprochen, und auch Sohn Sani sprach bis zum Kindergartenalter Deutsch. Isiu Bessler schreibt nichts über seine eigene Bar Mitzwa, über die Schabbat- oder Pessach-Tradition der Familie. Den üblichen gelben Stern aus Stoff wollte er nicht tragen, vielmehr bastelte er zusammen mit einem Freund einen Messingstern wie ein Sheriff-Stern: "Ich glaube, dass wir in Rumänien die einzigen im Besitz eines solchen stolzen Zeichens unserer Herkunft waren. Bis heute habe ich den Messing-Davidstern aufbewahrt." Isiu Bessler berichtet auch von seiner jüdischen Hochzeit, vom "Schiwa-Sitzen", vom Synagogenbesuch am Jom Kippur 1963, von der Bar Mitzwa seines Sohnes Sani, und dass er 13 Monate lang "Kaddisch", das Totengebet für seine Eltern sprach. Die Besslers waren also eine Familie, die sich ihrer Herkunft sehr wohl bewusst blieb, wichtige Bräuche der jüdischen Tradition einhielt und die Israel als das "Land der Väter" betrachtete. Angesichts vieler schrecklicher Berichte über Leiden und Sterben der deportierten jüdischen Bevölkerung in Transnistrien, erfahren wir hier erstmals von einer Familie, welche die mehr als drei Jahre der Verbannung dank der Tatkraft des Vaters zum Glück erstaunlich gut überlebt hatte. Auch die Jahre unter dem kommunistischen Regime in Rumänien wurden trotz mancherlei Probleme ziemlich glimpflich überstanden. Schließlich gelang 1973 auch die Ausreise nach Israel, und mit erst 45 Jahren war Isiu Bessler noch jung genug, um sich beruflich und sozial erfolgreich im "Land der Väter" einzuleben, was auch Nella und Sohn Sani gelang. Alles in allem enthalten die vorliegenden Erinnerungen eine ebenso interessante wie detailreiche Familiengeschichte mit zahlreichen Miniaturen jüdischer Einzelschicksale (allein schon von ca. 50 Personen der engeren Verwandtschaft, wozu noch viele andere eingeflochten werden!). …. Isiu Besslers rumänisch-jüdische Familiengeschichte, die eigentlich nur für die Familie gedacht war, ist jedenfalls eine interessante Bereicherung der Bukowina-, Rumänien- und Transnistrien-Literatur unserer Edition Schoáh & Judaica.
Aktualisiert: 2019-12-11
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KZ Außenlager Walldorf

KZ Außenlager Walldorf von Strompf,  Klara, Wiehn,  Erhard Roy
Für Gegenwart und Zukunft Klara Strompf nennt ihr Buch schlicht KZ Außenlager Walldorf. Darin schildert sie minutiös die jahrelangen Recherchen zur Geschichte des damaligen Frauen-Lagers am Flughafen Frankfurt/Main, eine Erinnerungsarbeit, an der sie selbst seit vielen Jahren mit schier grenzenlosem Engagement teilnimmt. Das Lager Walldorf, ein Außenlager des KZs Natzweiler-Struthof im Elsass, war klein im Vergleich zu Stammlagern wie Auschwitz, Majdanek oder auch Bergen-Belsen. Und doch waren die Inhaftierten als Arbeitssklavinnen hier ebenso rechtlos wie in anderen Lagern, schutzlos ausgeliefert der Mordmaschine des NS-Staates und dem Sadismus der SS. Etwa 1.700 Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis ca. 40 Jahren wurden im Sommer 1944 von Auschwitz in das KZ-Außenlager Walldorf verbracht, um auf dem nahegelegenen Frankfurter Flughafen eine betonierte Rollbahn zu bauen, die man für den ersten deutschen Düsenjäger brauchte. Es waren ungarische Jüdinnen, die unter unmenschlichen Bedingungen schwerste körperliche Arbeiten verrichten mussten. Bei Hungerrationen, die kaum zum Überleben reichten, mussten sie Baumstämme schleppen, Baumwurzeln aus der Erde hacken, den Boden nivellieren und planieren, Zementsäcke schleppen, betonieren. Auch bei Minusgraden mussten sie in dünnen Sommerkleidern arbeiten, manche von ihnen hatten nicht einmal Schuhe. Je mehr wir darüber wissen, um so monströser erscheint uns heute, was Menschen Menschen antun können. Als Klara Strompf vor Jahren nach Mörfelden-Walldorf zog, wusste sie zunächst nicht, was einst in ihrer direkten Nachbarschaft geschehen war. Und als sie vom KZ-Außenlager Walldorf erfuhr, war ihre spontane Reaktion: So schnell wie möglich fort von hier! Doch sie blieb, und nicht nur das. Bald erfuhr sie, dass die Stadt Mörfelden-Walldorf eine Ausstellung zur Geschichte des Lagers vorbereitete, bot sofort ihre Mitarbeit an und vermittelte zunächst den Kontakt zu Margit Horvath, einer der Überlebenden des KZ Außenlagers Walldorf. So entstand die Ausstellung mit Margit Horvaths Biografie im Zentrum, die viele Menschen berührte und insbesondere bei Oberstufenschülerinnen und -schülern den Wunsch nach eigenen Recherchen weckte. Durch den Kontakt zu Margit Horvath hatte Klara Strompf eine große Tür geöffnet, die zu weiterer Beschäftigung mit der Geschichte des Lagers führte, uns immer neue Dimensionen dieses KZ-Außenlagers erfahren ließ, und sie hatte zugleich eine Tür geöffnet zu ihrem Wohnort, der ihr bis dahin fast unbekannt war. Sie nahm nun aktiv Kontakt zur deutschen Bevölkerung auf, obwohl ihr das aufgrund der eigenen Familiengeschichte zunächst nicht leicht fiel. Doch bald arbeitete sie nun gemeinsam mit vielen Ortsansässigen unermüdlich daran, die Geschichte des Lagers aufzuklären und immer besser zu verstehen. Dies war für sie nicht einfach; denn mit den Biografien der KZ-Überlebenden rekapitulierte sie stets aufs Neue ihre eigene Familiengeschichte. Sie wollte wissen, doch dieses Wissen tat weh. Trotzdem wollte sich nun nicht mehr von der deutschen Umgebung abgrenzen, denn schließlich wohnte sie nicht nur hier, sondern hatte sich nun vor Ort auch engagiert. Aber gerade wenn man sich nahekommt, wird immer wieder schmerzlich spürbar, dass nichtjüdische Deutsche und Juden trotz eines gemeinsamen Interesses und auf der Basis gegenseitiger Sympathie nicht einfach zusammenarbeiten können. Klara Strompf zeigt jedoch, dass Distanzen abgebaut werden können, produktive Zusammenarbeit und sogar Freundschaften möglich sind. Sie reflektiert stets aufs Neue, sie ist ein positiv denkender Mensch, sie sucht den Dialog, sie hat unglaublich viel Energie, sie kann und will nicht vor Hindernissen stehen bleiben, sondern schafft es immer wieder, diese zu überwinden.
Aktualisiert: 2022-08-05
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Der italienische Widerstand gegen den Holocaust in Kroatien

Der italienische Widerstand gegen den Holocaust in Kroatien von Milo,  Zeev, Wiehn,  Erhard Roy
In meiner vorliegenden Arbeit stelle ich neben meinen persönlichen Erlebnissen die relevanten historischen Ereignisse dar. Außerdem versuche ich, mich mit den Historikern auseinanderzusetzen, welche die humanitären Motive der Italiener leugnen. Diese Arbeit bezieht sich somit auf die Rettung der kroatischen Juden durch die Italiener im Zeitraum 1941–1943. Auch die Schattenseiten des italienischen Umgangs mit den Juden werden objektiv dargestellt. (Zeev Milo)
Aktualisiert: 2019-03-28
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Selma Meerbaum-Eisinger 1924–1942

Selma Meerbaum-Eisinger 1924–1942 von Bartfeld-Feller,  Margit, Keller,  Gesine, Klein,  David, Rosenfelder,  Elisabeth, Rychlo,  Petro, Serke,  Jürgen, Wiehn,  Erhard Roy
Aus dem Vorwort von Petro Rychlo: "Das Leben ist rot" Es gibt kein einziges eigenständiges Foto von Selma Meerbaum-Eisinger. Fünf oder sechs Aufnahmen, die sich wie durch ein Wunder erhalten haben, sind Ausschnitte aus Gruppenbildern. Sie haben sich durch Zufall in privaten Archiven gefunden. Waren aber auch diese Archivsammlungen, wie so vieles in jener Zeit, verloren gegangen, so konnten wir uns heute nicht einmal vorstellen, wie Selma Meerbaum-Eisinger ausgesehen hat. Drei Jugendfreundinnen waren hier zu nennen, denen wir die Erhaltung dieser Fotos und – was noch wichtiger ist – des schmalen poetischen Nachlasses dieser jungen Czernowitzer Dichterin verdanken, die mit 18 Jahren unter schrecklichen Bedingungen in einem nazistischen Arbeitslager in Transnistrien aus dem Leben scheiden sollte. Es geht dabei um ein Album sehnsüchtiger Liebesgedichte, die Selma ihrem Freund Leiser Fichmann gewidmet hatte, den sie in der zionistischen Jugendgruppe "Haschomer Hazair" in Czernowitz kennenlernte. Else Schachter-Keren, Renee Abramovici-Michaeli und Margit Bartfeld-Feller waren Selmas Klassenkameradinnen – zuerst in einer rumänischen Mädchenschule (Hoffmann-Lyzeum, rumänisch Lyceum Julia Hasdau), später, als Czernowitz 1940 sowjetisch wurde, in einer jüdischen Mittelschule, wo einer ihrer Lieblingslehrer und ihr Klassenleiter Hersch Segal war, der 1976 zum ersten Mal Selmas Gedichte als Privatdruck in einer bescheidenen Auflage von 400 Exemplaren in Israel herausgegeben hatte. Heutzutage ist Margit Bartfeld-Feller die einzige der drei Freundinnen, die nach einigen Jahrzehnten sibirischer Verbannung seit 1990 in Israel lebt und noch authentische Erinnerungen an Selma vermitteln kann. Desto wertvoller sind diese Zeugnisse über das jüdische Mädchen aus Czernowitz, das in der Zeit triumphierender Nationalismen,bodenlosen Hasses und blinden Rassenwahns auf Deutsch dichtete und in seinen Gedichten das höchste und das schönste menschliche Gefühl – die Liebe – besang. Margit Bartfeld-Feller, die erst nach der späten Einwanderung nach Israel ihre Texte zu schreiben begann, ist heute eine der wichtigsten Stimmen, welche die Verbrechen des nazistischen und des stalinistischen Regimes als Überlebende anprangert. In der Edition Schoáh & Judaica / Jewish Studies, die von Prof. Erhard Roy Wiehn im Konstanzer Hartung-Gorre Verlag herausgegeben wird, hat sie schon 10 Bände ihrer dokumentarischen Erzählungen publiziert. Diesen Herbst erhielt sie in Wien den ehrenvollen Theodor-Kramer-Literaturpreis, der für das Schreiben im Exil und im Widerstand verliehen wird. Das Buch über Selma Meerbaum-Eisinger, das aus ihren Erinnerungen, Skizzen und essayistischen Aufsätzen besteht, soll als ein verbales Denkmal für ihre Jugendfreundin gelten, deren Gedichte heute bei unzähligen Veranstaltungen in verschiedenen Ländern vielsprachig rezitiert, gesungen und mit theatralischen Mitteln auf kleineren und größeren Bühnen dargeboten werden. Die Gedichte des Czernowitzer Mädchens inspirieren heute mehrere europäische Künstler von Rang. Nur wenige Beispiele seien hier erwähnt: die wunderbaren Vertonungen ihrer Gedichte des Schweizer Musikers David Klein (vgl. S. 55 ff.) oder tiefsinnige Bildsequenzen zu Selmas Leben und Werk der deutschen Malerin Helga von Loewenich. … Deswegen ist in diesem Falle jedes, auch das kleinste biographische Detail von größter Relevanz. Margit Bartfeld-Feller versucht in ihrem neuen Buch das lebendige Bild der jungen Dichterin sichtbar zu machen. Es sind Gedächtnissplitter, Momentaufnahmen, Traumeinfalle: Schulalltag, gemeinsame Spaziergänge und Kinderspiele, "brennende Geheimnisse", "verbotene" Lektüre, erste Liebe und erste heimlich niedergeschriebene Gedichte… Daraus entsteht ein buntes Mosaik, das für den Leser als Hintergrund dieser Gedichte dienen kann. Alles blieb bei Selma unerfüllt – ihre Jugend in ärmlichen Verhältnissen, die mit dem Einmarsch der deutschen und rumänischen Truppen in Czernowitz so jäh abgebrochen wurde, ihre glühende, leidenschaftliche, jedoch kaum erwiderte Liebe, ihr von den grausamen Berserkern weggenommenes Leben.
Aktualisiert: 2020-03-18
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Grunderfahrungen im Pfadfindertum

Grunderfahrungen im Pfadfindertum von Kurrath,  Winfried, Ottenheimer,  Fritz, Sher,  Yoel, Wiehn,  Erhard Roy
Aus dem Vorwort von Winfried Kurrath: Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder … Warum schreibe ich zunächst von mir? Weil ich so am besten nachempfinden kann, was sich in der Entwicklung von Erhard Roy Wiehn vollzogen hat, wie kleine Erfahrungen und Ereignisse dazu beitrugen, dass Wiehn der wurde, der er ist. Was in einem Vorwort nur ange-rissen werden kann, dafür genehmigt sich Wiehn ein ganzes, stimmiges Buch. Und dass bei den Pfadfindern die Begegnung mit Überlebenden des Holocaust seinem Leben eine entschei-dende Wende geben würde, bis hin zur Konversion zum Judentum und zur Herausgabe einer über 270 Titel umfassenden "Edition Schoáh & Judaica", gehört mit zu den Grunderfahrungen dieses Lebens. Das Buch "Grunderfahrungen" ist eine zuverlässige Chronik der Entwicklung Erhard Roy Wiehns, geschrieben mit ausreichendem zeitlichen und geografischen Abstand zu seiner Kind-heit und Jugend. Es ist eine sehr persönliche Aufzeichnung und macht verständlich nachvoll-ziehbar, wie die Zugehörigkeit zur Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg ihn Schritt für Schritt mitgeformt hat. Erhard Roy Wiehn zeichnet als Chronist seiner selbst diesen Prozess akribisch nach und macht deutlich, wie sein ruheloses, weltwärts gewandtes Leben sich immer wieder mit pfadfinderischen Erfahrungen kreuzt. Wiehn wäre nicht Wiehn, würde der Wissen-schaftler seine eigenen Erfahrungen, Erkenntnisse, Empfindungen nicht reflektiert im Spiegel der Erkenntnisse anderer sehen. Zahlreiche Fußnoten untermauern das. Die heutige Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, die sich zu einem modernen, sozialen Jugendverband weiter entwickelt hat, wirbt Sponsoren zur Unterstützung ihrer Arbeit mit dem Slogan: "Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder". Erhard Roy Wiehns Buch "Grunderfahrungen" stützt diese These.
Aktualisiert: 2019-12-11
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Hugo Schriesheimer

Hugo Schriesheimer von Rehn,  Marie-Elisabeth, Wiehn,  Erhard Roy
Aus der Einleitung von Marie-Elisabeth Rehn Als Hugo Schriesheimer 1989 in Kreuzlingen starb, hatte der kinderlose Witwer vorgesorgt. Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde Kreuzlingen unter Leitung des mit der Auflösung des Nachlasses beauftragten Siegfried Gideon räumten die Mietwohnung. Der Schreibtischinhalt wurde in mehreren Plastiktüten verstaut und zwei Jahrzehnte lang im privaten Arbeitszimmers von Prof. Wiehn aufbewahrt. Es ist reiner Zufall, daß der Nachlass, in einem kleinen schwarzen Koffer verpackt, während diese Zeilen geschrieben werden, wieder an einer Adresse in der Kreuzlinger Straße gelandet ist, die Hugo Schriesheimer besonders lieb war. Der Inhalt dieses kleinen schwarzen Koffers war die Grundlage für die Rekonstruktion des Lebens von Hugo Schriesheimer, der 1908 als einziges Kind von Max und Rosa Schriesheimer in Konstanz geboren wurde und aufwuchs. Der Eisenwarenladen des Vaters wurde 1938 "arisiert", d.h., er ging in die Hände eines nichtjüdischen Besitzers über. In jenem Jahr erfolgte auch die Sperrung der Grenze für Juden. So zerschlug sich die Hoffnung von Vater und Sohn Schriesheimer auf eine Fortführung ihres Geschäfts jenseits der Grenze in Kreuzlingen. Im November 1938 erlebten sie die Zerstörung der Konstanzer Synagoge, Hugo Schriesheimer wurde zusammen mit anderen Konstanzer Juden für mehrere Monate in "Schutzhaft" genommen, die er im Konzentrationslager Dachau verbrachte. Anfang 1940 erfolgte die Umsiedelung in "Judenhäuser", und am 22. Oktober 1940 wurde die Familie Schriesheimer, wie alle anderen 6.500 badischen und saarpfälzischen Juden nach Gurs deportiert. Die Eltern, die man wegen der Krankheit des Vaters in einem Heim in Pontaqc unterbringen konnte, starben Ende 1943 und Anfang 1944 kurz hintereinander. Dem Sohn gelang währenddessen die Flucht in die Schweiz, wo er bis zu seiner Auswanderung in die USA 1947 als "staatenloser Ausländer" mit Flüchtlingsstatus lebte. 1971 kehrte Hugo Schriesheimer, der inzwischen verheiratet war, in die Heimat am Bodensee zurück – eine vorsichtige Heimkehr sozusagen, denn er ließ sich in Kreuzlingen nieder, der Schweizer Grenzstadt, die aus der Vogelperspektive zusammen mit Konstanz eine zusammenhängende Stadt bildet. In Konstanz wurde er zu einem wichtigen Zeitzeugen, der über das im Lager Gurs Erlebte berichten konnte.
Aktualisiert: 2019-03-28
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Als junge ungarische Jüdin im Holocaust

Als junge ungarische Jüdin im Holocaust von Rühlig,  Cornelia, Strompf,  Klara, Therese,  Müller, Wiehn,  Erhard Roy
Dieses Buch veranschaulicht am Beispiel einer Biographie das letztlich doch immer wieder unvorstellbar große Verbrechen, das während der NS-Zeit von Deutschen an der jüdischen Bevölkerung Europas begangen wurde. Es geschieht hier in einer außergewöhnlich eindrucksvollen Form: Zwischen den unzähligen Schilderungen rassistischer Grausamkeiten, Terror, Folter und Mord spüren wir die so feine und hochdifferenzierte Persönlichkeit von Therese Müller, die sich trotz alledem eine von tiefer Humanität geprägte Grundhaltung bewahren konnte. Immer wieder kommt Therese Müller darauf zu sprechen, dass es vor allem die Liebe war, die sie in ihrer Kindheit und Jugend von der Familie und den Freunden empfing, die es ihr später ermöglichte, nach 1945 ein in einem zwischenmenschlichen Sinne so reichhaltiges Leben zu führen. Und dies heißt bei Therese Müller, eben nicht zu verdrängen, was geschah, sondern genau zu erzählen, was sie erlebte, damit stets zugleich an diejenigen zu erinnern, die aus ihrer Familie im Holocaust getötet wurden. Zudem aber hat sie stets ebenso einfühlsam die Gegenwart im Bewusstsein, d.h. diejenigen, zu denen sie heute spricht. So betont Therese Müller gleich auf ihren ersten Seiten ausdrücklich, dass sie "gleichzeitig über das menschliche Vertrauen und die seelische Kraft berichten" möchte (S. 29). Dies gibt ihrem Buch etwas wirklich Zukunftsweisendes. Ihre Art zu erzählen ist mehr als eine Erinnerung an die eigene Familie, ist mehr als ein weiteres konkretes Beispiel für den millionenfachen Mord im Holocaust. Die Autorin Therese Müller erzählt nicht "nur" von zwischenmenschlichem Vertrauen, sondern sie ist es selbst, die mit jedem Wort und jeder Geste eben diese große "seelische Kraft" verkörpert. Dies weist weit über die historische Epoche des Holocaust hinaus. Klara Strompf ist es in bemerkenswerter Weise gelungen, in ihrer Übersetzung auch diesen Erzählstrang, diesen Subtext, der sich durch das gesamte Buch zieht, mit ins Deutsche zu übertragen. Bereits beim Lesen der ersten Seiten spürt man, dass sie sich nicht nur unendliche Arbeit mit der korrekten Übersetzung und der Recherche nach weiteren Familiendaten und historischen Zusammenhängen machte, sondern an vielen einzelnen Textstellen selbst innehielt und Therese sehr nahe ist. Ihre eigene Familiengeschichte deckt sich in so vielen Facetten mit der von Therese Müller. Sie stammen beide aus Jászberény. Sie kennen die gleichen Straßen und Häuser. Der Bahnhof (S. 62 u. 143), von dem aus Therese mit ihrer Familie deportiert wurde, ist ebenso Teil der Geschichte von Klara Strompf; auch sie ist ungarische Jüdin. Und noch etwas sehr Entscheidendes verbindet sie. Auch Klara Strompf verharrt nicht in der Welt der Vergangenheit und des Schmerzes, auch sie engagiert sich immer wieder voller Energie als Brückenbauerin in die Gegenwart und die Zukunft.
Aktualisiert: 2019-12-11
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Jüdisches Exil in Mexiko und der Dominikanischen Republik 1923-2010

Jüdisches Exil in Mexiko und der Dominikanischen Republik 1923-2010 von Decker,  Ingrid, Rehn,  Marie-Elisabeth, Wiehn,  Erhard Roy
Aus der Einleitung von Marie-Elisabeth Rehn Zuflucht in Mexiko und der Karibik Als Adolf Hitler im Januar 1933 in Deutschland an die Macht kam, lebten etwa 525.000 Juden in Deutschland. Bereits im Juni 1933 waren es nur noch 500.000. Besonders Hellhörige, vorwiegend Akademiker, Künstler und Funktionäre des linken Parteienspektrums wurden von der ersten Emigrationswelle erfasst und verließen das Land. Anlässlich des Erlasses der Nürnberger Gesetze 1935 und nach der sogenannten "Reichskristallnacht" im November 1938 versuchten weitere deutsche Jüdinnen und Juden, sich durch die Flucht ins Ausland zu retten. Während 1933 noch 74% der Emigranten ins europäische Ausland – nach Frankreich, in die Niederlande oder in die Tschechoslowakei – flohen, stieg der Anteil der Flüchtlinge in überseeische Länder ab 1937 auf 69%. Endlich wurden nach quälend langen Wartezeiten spärliche Visa erteilt. Neben den USA wandten sich die Flüchtlinge vor allem nach Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kolumbien oder Chile. Sogar bis nach Fernost in das japanisch besetzten Schanghai gingen die Flüchtlingsströme. Insgesamt verließen bis 1938 etwa 187.000 Jüdinnen und Juden ihre deutsche Heimat. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es gibt keine offiziellen Statistiken. Auf die steigende antijüdische Agitation in Deutschland gab es Reaktionen im Ausland. Vom 6. bis 15. Juli 1938 kam es durch die Initiative des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zur internationalen Flüchtlingskonferenz im französischen Kurort Evian. 32 Staaten beteiligten sich, es kam jedoch fast nur zu unverbindlichen Absichtserklärungen für ein umfassendes Hilfsprogramm. Es ist qualvoll nachzulesen, wie zögernd Reaktionen auf die Nachrichten der ersten planvollen Ausrottungsaktionen im von Deutschland okkupierten Polen einsetzten. Selbst Nachrichten, die von couragierten, glaubwürdigen Zeugen stammten, wurden im Jahr 1942 absichtlich unter den Tisch gekehrt, z. B. über das Massaker von Kiew-Babij-Jar. Die hier gesammelten Zeitzeugenberichte betreffen die ersten Phase der Hitlerschen Judenpolitik: die "Endlösung" durch Auswanderung bzw. Vertreibung. Während alle Teilnehmerländer in Evian sich weigerten, vermehrt Juden aus Europa aufzunehmen, weil sie entweder keine Kaufleute und Intellektuelle als Flüchtlinge (Lateinamerika) oder weil sie kein "Rassenproblem importieren" wollten (Australien), zeigte sich lediglich der Diktator Rafael Leónidas Trujillo Molina (1891–1961) aufgeschlossener: Die Dominikanische Republik erklärte sich bereit, bis zu 100.000 Einwanderer aufzunehmen. Tatsächlich waren es dann nur einige hundert Juden, die auf regierungseigenen Grundstücken der Insel mit finanzieller Unterstützung des American Jewish Joint Distribution Committee angesiedelt werden konnten. Mexiko unterschied sich in Evian nicht von den Ländern, die sich eher zurückhaltend gegenüber Rettungsaktionen für verfolgte Juden verhielten. Der mexikanische Konsul in Frankreich, Gilberto Bosques, war es jedoch, dem zahllose politisch und nach der Nazi-Ideologie "rassisch" verfolgte Emigranten aus Europa die Möglichkeit zur Einreise nach Mexiko verdankten.
Aktualisiert: 2019-03-28
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Mythen und Rituale des Alevitentums

Mythen und Rituale des Alevitentums von Baier,  Horst, Gürtas,  Haki, Wiehn,  Erhard Roy
Alevitentum wurde bis heute sowohl unter theologischen als auch unter religionssoziologischen Gesichtspunkten kaum erforscht; es war bis vor kurzem der Wissenschaft nahezu unbekannt. In den bisher erschienenen Publikationen wurde das Alevitentum zumeist unter politischen, nationalistischen und traditionell islamischen Standpunkten betrachtet, wogegen mit diesem Werk eine Betrachtung des Alevitentums als eigenständiger Glaubensgemeinschaft vorgelegt wird. Dadurch, daß die Aleviten über Jahrhunderte blutigen Sanktionen und dem Einfluss von Seiten des Islams ausgesetzt waren, ist es einerseits wichtig, die besonderen Anziehungs- und Abstossungsprozesse zwischen Islam und Alevitentum, andererseits die Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen Zoroastrismus und Alevitentum herauszuarbeiten Die Intention des vorliegenden Buches liegt darin, das Wesen des Alevitentums und die im Ritual verborgene alevitische religiöse Weltansicht mit Hilfe der religionssoziologischen Analyse der zentralen Mythen und Rituale zum Sprechen zu bringen, um zu zeigen, dass das Alevitentum nach seiner Deutung sucht. Das Alevitentum wird genauso wie andere Religionen und ihre Weltdeutungen als historischen Wandlungsprozessen unterworfen begriffen. In dieser Hinsicht lässt es sich nicht als in sich festes Deutungssystem, sondern als Habitualisierungsprozess verstehen.
Aktualisiert: 2020-06-25
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Nirgends gern gesehen

Nirgends gern gesehen von Wiehn,  Erhard Roy
"Woanders konnten wir nirgends hin" Unsere Rückblicke auf die deutsch-schweizerische Grenzregion am Bodensee im 20. Jahrhundert (18 Gespräche) erschienen im Juni 2012, Ende Oktober desselben Jahres folgte dann Überall nicht zu Hause – Jüdische Schicksale im 20. Jahrhundert (10 Gespräche), beides sind Gesprächsbände, deren Texte bereits im Jahre 1985 entstanden waren. Nun legen wir mit Nirgends gern gesehen (21 Gespräche) einen dritten Gesprächsband vor, dessen Texte ebenfalls ca. 30 Jahre alt, aber noch immer fast ungealtert frisch und zumindest wie von gestern erscheinen. Es handelt sich in der Tat um eine Art Trilogie mit insgesamt 49 Gesprächen (sechs davon mit jeweils zwei Personen) und weiteren ergänzenden Beitragen in den Anhängen. In diesen 49 Gesprächen sind aber noch weitere Personen erwähnt, sodass es sich um weit mehr als 50 jüdische Schicksale handelt, die hier vor dem Vergessen bewahrt werden. In Nirgends gern gesehen beziehen sich die ersten acht Gespräche auf das jüdische Leben der ersten drei bis vier Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Konstanz und der Bodenseeregion und beinhalten zugleich Überlebensschicksale im damaligen Eretz Israel/Palästina, Argentinien und in der Schweiz. Das Gespräch mit Kurt und Lotte Thanhauser wurde bei deren Begrüßung in der Israelitischen Gemeinde Konstanz im Mai 1983 mitgeschnitten. Die folgenden 11 Gespräche enthalten verschiedene jüdische Lebensschicksale, die zunächst nichts mit Konstanz zu tun hatten, betreffen sodann jedoch die Zeit früher oder später nach dem Zweiten Weltkrieg in Konstanz. Siegfried (Sigi) Gideon ist ein wichtiger Beobachter aus der Schweiz. Ein Gespräch mit dem damaligen Landesrabbiner Dr. h.c. Nathan Peter Levinson und vier seiner Konstanzer Predigten (1984/86) in Anhang I sind als Hommage gedacht und schließen die biographischen Texte ab. Als eine Art Ergänzung sind im Anhang II Biography and History (die es in sich haben) des gerne Konstanzer gebliebenen Otto S. Leib und zwei seiner Briefe "archiviert" sowie ein interessanter Brief von Robert Wieler von 2002. Als kleine Ergänzung zur Gesprächstext-Trilogie kann meine Schrift Jüdisches Leben und Leiden in Konstanz – 50 Jahre Israelitische Kultusgemeinde 1964–2014 (Konstanz 2014) gelesen werden. Die Gespräche in Nirgends gern gesehen widerspiegeln mehr oder weniger gut das ziemlich ambivalente Lebensgefühl der überlebenden Jüdinnen und Juden im damaligen südwestlichen Westdeutschland, wo man zwar schon nicht mehr "auf gepackten Koffern" saß, aber trotz allgemein relativ guter Erfahrungen hierzulande doch eher skeptisch in die deutsche Zukunft schaute.
Aktualisiert: 2023-01-05
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