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Die Welt der vernachlässigten Abstammungen: Mutterstämme – Töchterketten

Die Welt der vernachlässigten Abstammungen: Mutterstämme – Töchterketten von Richter,  Arndt
Bei seinen vergleichenden Studien an größeren (patrilinearen) Stammtafeln (www.genetalogie.de/schema/sfam.html) stellte der Autor erneut fest, daß es in der genealogischen Literatur keinerlei Vergleichsmaßstäbe zum matrilinearen Gegenstück, also der „Mutterstammtafel“, gibt. Obgleich jede Ahnentafel einen – mehr oder weniger gut erforschten – „reinen Weibesstamm“ (Gero v. Wilcke) aufweist, konnten keine „Mutterstammtafeln“ gefunden werden. Also Tafeln, bei denen nur alle „reinen Töchterketten“ (Mutter-Tochter-Abstammungen) von einer Stammutter ausgehend, über viele Generationen dargestellt wurden. Auf zwei Ausnahmen in der Goethe-Verwandtschaft und im mitteleuropäischen Adel wird hingewiesen. In der „Internetgenealogie“ zeichnen sich hier aber bereits zaghafte Anfänge ab, da einige Programmierer die matrilineare Tafeldarstellung schon berücksichtigt haben! Es gibt jedoch eine grundlegende Arbeit von Otto Freiherr v. Dungern (1875–1967) über einzelne (!) Linien: „Mutterstämme. Neue Wege für Vererbungs- und Familienforschung“ von 1924, die für den Autor eine Herausforderung war. Aus den dort veröffentlichten 53 Mutterstämmen europäischer Regenten von 1400 bis zur Gegenwart (1923) hat er einen Mutterstamm herausgegriffen und davon eine Mutterstammtafel (also jetzt mit allen Schwester-Linien) aufgestellt. Dieses Beispiel hatte auch bereits der bekannte Genealoge Otto Forst de Battaglia in seinem Buch „Wissenschaftliche Genealogie“ (1948) ausgewählt und erstmals eine kleine Mutterstammtafel unter dem Namen „Ein merkwürdiger Mutterstamm“ veröffentlicht (sechs Kaiser und zahlreiche Könige unterschiedlicher Häuser haben die gleiche Mutterlinie!). Beim Erweitern dieser Mutterstammtafel – mit dem „Eifer des Ergänzers“ – um ein Mehrfaches (!), fiel dem Autor außer weiteren überraschenden Personen-Zusammenhängen auf, daß hier zahlreiche Ehepartner den gleichen Mutterstamm aufweisen und sogar einige Söhne den gleichen Mutterstamm haben wie der Vater! Das war Veranlassung, den Implex der mitteleuropäischen Regenten unter neuen Gesichtspunkten zu analysieren, d. h. dort anzuknüpfen, wo er damals bei seinen umfangreichen Implex-Studien zur Ahnentafel König Ludwig II. v. Bayern aufgehört hatte („Die Verschwisterungsliste (VSL) als Schlüssel“). Dabei konnte auf das wertvolle Datenmaterial sechs anderer ebenfalls sehr gut erforschter Dynastenahnentafeln in Form weiterer Verschwisterungslisten zurückgegriffen werden, das ihm früher sein Dynasten-Foscherkollege Hans R. Moser, Toronto/Kanada, für Implex-Studien (gemeinsam mit seinem „quantitativen“ Forscherfreund und Genealogie-Programmierer Weert Meyer, Leer/Ostfriesland) zur Verfügung gestellt hatte. Eine interessante Gesetzmäßigkeit beim Geschlechterverhältnis der Ahnengeschwister konnte dabei entdeckt werden, die zugleich eine Antwort auf die von O. v. Dungern gestellte – noch offene – Frage lieferte: Warum gibt es bei den mitteleuropäischen Regenten etwa 20 % mehr Vaterstämme als Mutterstämme? Der Autor möchte sein jahrzehntelanges Anliegen, interdisziplinäre Brücken zu bauen, untermauern und zu weiteren Forschungen in diesem Neuland aufrufen. Schließlich ist für die Mutterstämme schon seit fast 20 Jahren durch den „genetischen Fingerabdruck“ die wissenschaftliche Basis zur molekulargenetischen Erkennung gelegt worden. Die daraus resultierende DNA-Genealogie hat besonders im angloamerikanischen Raum schon eine große Bedeutung erlangt. Bekanntlich durch die Tatsache, daß das sog. mitochondriale Erbgut (mt-DNA) nur (!) innerhalb der Mutterstämme weitervererbt werden kann. Dadurch ergeben sich nun auch biologisch sehr interessante Parallelen zur herkömmlichen patrilinearen Stammtafel, die ja seit Jahrhunderten wegen des Namensrechts fast ausschließlich die übliche familiäre Nachkommenschaftsdarstellung war und ist (Stammlisten in Reihenwerken). Frühere Diskussionen sollten nun erweitert werden (http://www.genetalogie.de/diskussion/ychromosom.html). Auch auf das Thema „Blut der Könige“ wird in dieser Arbeit neues Licht geworfen (Bluterkrankheit und Ebenbürtigkeit). Durch eine umfangreiche Literaturliste möchte der Autor alle früheren Meinungsäußerungen zum Thema bündeln und damit seine größeren Zusammenstellungen zur Implex-Literatur (http://www.genetalogie.de/ahn/litlistindex.html) noch erweitern. Neue Forschungsaspekte auch für die Nachbarwissenschaften (z. B. Human- und Populationsgenetik sowie Soziologie) werden erhofft.
Aktualisiert: 2018-07-09
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